Baugeschichte bis 1905

Mit der Erhebung der St.-Erasmus-Kapelle im neu erbauten kurfürstlichen Schloss zu Cölln an der Spree zum Kollegiatsstift begann 1465 die Geschichte des auf der Spreeinsel gelegenen Doms. Dieser war zwar nie Bischofssitz, doch aufgrund seiner kirchenrechtlichen Sonderstellung bürgerte sich hier – wie bei anderen Stiftskirchen auch – die Bezeichnung “Domkirche“ ein. Das achtköpfige Stiftskapitel wurde dabei mit Einkünften aus den Dörfern des Berliner Umlands versorgt, in denen es gleichzeitig die Gerichtsbarkeit innehatte. Zu diesen Domdörfern zählten unter anderem Kaulsdorf, Ladeburg, Lichtenrade, Schönefeld, Zeestow und Zepernick.

Kurfürst Joachim II. verlegte 1536 das Domstift in die ehemalige Dominikanerkirche südlich des Schlosses. Eine Gruft als Grablege für das Herrscherhaus entstand in der Folgezeit im Bereich des Chores dieser spätgotischen Hallenkirche. Damit erfuhr das Stift, dessen Kapitel zudem auf 12 Personen aufgestockt wurde, eine bedeutende Aufwertung und Erneuerung. 1539 führte der Kurfürst die Reformation in der Mark Brandenburg ein und der Dom wurde zu einer lutherischen Kirche. Da das Stift an einem Großteil der traditionellen kirchlichen Gebräuche festhielt, setzte bald nach dem Tod Joachims II. ein zunehmender Bedeutungsverlust ein, sodass Kurfürst Joachim Friedrich 1608 seine Aufhebung und Umwandlung in eine Pfarrkirche, der „obersten Pfarrkirche allhier in unser Stadt Cölln an der Spree“ anordnete. Mit dem Übertritt Kurfürst Johann Sigismunds zum Calvinismus bildete sich hier eine reformierte Gemeinde.

Vermutlich in dieser Zeit erhielt die ehemalige Klosterkirche einen doppeltürmigen Anbau im Westen. Bereits unter dem ersten preußischen König Friedrich I. galt diese Kirche als baufällig. So ließ sie Friedrich II. abreißen und am Lustgarten einen barocken Neubau nach Plänen des holländischen Architekten Johann Boumann d. Ä. errichten, der am 6. September 1750 geweiht wurde. Die Särge aus der Herrschergruft wurden in den Neubau überführt.

Zum 300. Jubiläum von Luthers Thesenanschlag erfolgte der Zusammenschluss von Lutheranern und Reformierten in der unierten Kirche. Zu diesem Anlass erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag zur umfangreichen baulichen Umgestaltung des Boumannschen Domes. Er überformte den Barockbau innen wie außen klassizistisch. Der barocke Zierrat wurde entfernt, das Portal zu einer großen Säulenstellung geweitet und mit einem Dreiecksgiebel überfangen sowie der Turm mit zwei kleineren flankierenden Türmen zum Lustgarten hin ergänzt.

Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte gab es immer wieder Anstöße zur Errichtung eines Neubaus. Von Schinkel sind mehrere Entwurfsarbeiten für einen Domneubau bekannt. König Friedrich Wilhelm IV. hatte bereits als Kronprinz eigene Entwürfe gezeichnet. Darauf aufbauend, entwickelte Friedrich August Stüler das Projekt einer gewaltigen drei-, später sogar fünfschiffigen Basilika nach italienischen Vorbildern mit einem Campo Santo zur Aufnahme der Herrschergruft. Man begann bereits im Osten und Norden zu bauen, doch die Revolution von 1848 brachte diese Arbeiten vollständig zum Erliegen. Auch die neuen Planungen Stülers, die nun einen monumentalen Zentralbau vorsahen, blieben unverwirklicht. Ein Wettbewerb von 1867 verlief ergebnislos.

Berlin entwickelte sich durch die zunehmende Industrialisierung zur Metropole, war ab 1871 Hauptstadt des neugegründeten Deutschen Reichs, sodass der „Alte Dom“ in wachsendem Maße als nicht mehr repräsentativ genug empfunden wurde. Der katholische, aus Schlesien stammende Architekt Julius Carl Raschdorff erhielt den Auftrag, Entwürfe für einen Domneubau auszuarbeiten. Zuvor war Raschdorff als Stadtbaumeister in Köln tätig und folgte 1878 dem Ruf an die Technische Hochschule Charlottenburg. Bis zur Verwirklichung musste er jedoch seine Planungen mehrfach modifizieren, nicht zuletzt, nachdem das preußische Abgeordnetenhaus statt der erhofften zwanzig Millionen Reichsmark nur zehn Millionen genehmigt hatte. 1893 erfolgte schließlich der Abriss der bestehenden Bausubstanz, um Platz für den historistischen Neubau zu schaffen, der am 27. Februar 1905 geweiht wurde.

Die innere Ausgestaltung stand dabei wesentlich unter dem Einfluss von Anton von Werner, der unter anderem die Altarfenster und die Kuppelmosaiken entworfen hatte und die Gunst Wilhelms II. genoss. Die Fertigstellung einiger weniger Ausschmückungen erfolgte erst später, so die der Bronzetüren im Westen (1907), der Kanzel der Predigtkirche (1908), des großen Mosaikbildes des Westportals (1920) und der Ausmalung des Feldes über der Kaiserempore (1937).


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