Kaiserliches Treppenhaus

Das Kaiserliche Treppenhaus ist neben dem Altarraum der prächtigste Teil des Berliner Domes. Bis zum Ende der Monarchie im Jahr 1918 betraten Kaiser Wilhelm II. und seine Frau Kaiserin Auguste Victoria den Berliner Dom über diesen Treppenaufgang. Vom Kaiserlichen Treppenhaus hatte das Herrscherpaar einen direkten Zugang zur Tauf- und Traukirche und zur Kaiserloge im Obergeschoss der Predigtkirche. Für die Kaiserin baute eine amerikanische Firma neben dem Kaiserlichen Treppenhaus einen elektrischer Fahrstuhl ein, der direkt zum Obergeschoss führte.

Die Ausstattung des Treppenhauses ist entsprechend üppig und prachtvoll. Neben verschiedenfarbigen Marmorarten wurde vor allem Steine aus Unica, einem ehemaligen Steinbruch im Lahngebiet verwendet, der heute unter Naturschutz steht. Der rötliche Stein, der auch Lahnmarmor genannt wird, hebt sich wegen seiner auffallenden Farben und Struktur von anderen Marmorarten stark ab.

Die Gipskapitelle der Säulen im Kaiserlichen Treppenhaus sind mit Kupfer überzogen. Kandelaber und Deckenkronen aus vergoldeter Bronze und die goldfarbene Verglasung von Türen und Oberlicht runden die Ausstattung ab.

Im oberen Geschoss dienen 13 Temperagemälde von Albert Hertel als Wand- und Deckenschmuck.

Die Wandbilder zeigen Geschichten aus dem Leben Christi:

  1. Nazareth – die Jugendzeit Jesu
  2. Der Berg der Versuchung
  3. Die Seepredigt
  4. Die Samariterin am Jakobsbrunnen
  5. Jesus im Hause von Maria und Martha
  6. Wehklage über Jerusalem
  7. Jesus in Gethsemane
  8. Christus erscheint nach seiner Auferstehung der Maria am Grabe
  9. Christi Erscheinung am See Genezareth

Die ovalen Deckenbilder zeigen vier Gleichnisse, die Jesus erzählt hat:

  1. Das Gleichnis vom Sämann
  2. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter
  3. Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner
  4. Das Gleichnis vom guten Hirten.

Original und 'Fälschung'

Von den insgesamt 13 Bildern, die den Aufgang schmückten, gingen fünf in den Kriegswirren verloren, unter anderem auch das Bild ‚Nazareth‘. Lediglich eine schwarz-weiß Fotografie aus dem Archiv der Staatlichen Schlösser und Gärten in Potsdam erinnerte an das Hertel-Bild. Außerdem existierte noch eine knapp DIN A4 große Farbvorlage. 1988 rekonstruierte der brandenburgische Restaurator und Maler Ekkehard Koch nach Foto und Farbvorlagen das Gemälde ‚Nazareth‘ für das Kaiserliche Treppenhaus.

2011 entdeckte ein ehemaliger Kustos der Schlösser und Gärten von Sanssouci, das verschollen geglaubte Gemälde im so genannten Fremdbesitz-Katalog der Alten Nationalgalerie. Das Bild war zwar leicht beschädigt, sollte dennoch zurück in den Berliner Dom. Dank einer Spende von 15.000 Euro des Berliner Dombau-Vereins wurde Koch ein zweites Mal mit der Arbeit für ‚Nazareth‘ beauftragt. Dieses Mal restaurierte er das Original, das seitdem wieder im Dom hängt. Allerdings kam es nicht an seinen ursprünglichen Platz, sondern ins Dom-Museum, wo man es heute bewundern kann. Die Kopie des ‚Nazareth‘ Bildes gehört mittlerweile ebenfalls zur Geschichte des Domes und blieb deshalb im Kaiserlichen Treppenhaus.


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