Domprediger Stefan Scholpp


Wer sich selbst vorstellen will, muss vom Anderen sprechen. Das wären in meinem Fall zuerst die, durch die ich geworden bin, wer ich bin. Meine Mutter, die mich allein erziehend aufs Leben vorbereitet hat, aber sich nie und nimmer vorstellen mochte, dass ich einmal Karlsruhe verlassen und Pfarrer werden würde. Klaus Müller, mein Konfirmator, dessen Lebensentwurf mich so beeindruckte, dass ich werden wollte wie er. Eberhard Jüngel in Tübingen, Christian Möller in Heidelberg und Konrad Fischer in Heddesheim, die mir zu theologischen Lehrern wurden. Meine Frau. Meine Kinder, durch die ich lernte, was es heißt, ein Vater zu sein.

Pfarrer! Das war’s, seit ich 14 wurde. Und ist’s geblieben bis heute (auch wenn ich 5 Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent an der Universität und dem Predigerseminar in Heidelberg verbrachte – und dort das Nachdenken über Sprache und ihre Möglichkeit pflegen konnte). Heddesheim, Schwetzingen, Hockenheim, Mannheim waren die Stationen, alle in der Kurpfalz gelegen und nicht jede weltberühmt. Jetzt also das aufregende Berlin.

Von einer Journalistin wurde ich einmal gefragt, warum ich so gerne predige, und ob das nicht ziemlich old school sei? – Überholt ist sicherlich die Vorstellung von Predigt als informierender Belehrung, als Einbahnstraßenkommunikation. Aber Geschichten zu erzählen: die biblischen Geschichten im Kontext unserer unterschiedlichen Lebensentwürfe, eigene Geschichte im Licht der biblischen Überlieferungen, ist nach wie vor das, was mir die liebste Tätigkeit im Pfarramt ist, auf der Kanzel, im Gemeindesaal, im Internet, auf Podien, im Vier-Augen-Gespräch… Wie schön, dass die Pfarrpersonen am Dom Prediger und Predigerin heißen!


Stefan Scholpp

Stv. Vorsitzender des Domkirchenkollegiums
Geschäftsführender Domprediger

Telefon +49 30 20269 202
E-Mail stefan.scholpp(a)berlinerdom.de

Referentin: Marie Toya Gaillard
Telefon +49 30 20269 182
E-Mail gaillard@berlinerdom.de

XS
SM
MD
LG