• Sa 16. Jul 2022
  • 20.00 – 21.00 h

Kantorei des Großmünster Zürich

Chorkonzert
Chorkonzert
Predigtkirche
Kantorei Grossmünster Zürich. Foto: Urs Bosshard

Werke von Johann Sebastian Bach
Kantorei Großmünster Zürich

Eintritt frei

Ausführende:
Noëmi Sohn, Sopran | Annika Langenbach, Alt | Michael Feyfar, Tenor | Israel Martins dos Reis, Bass
Collegium Vocale Großmünster Zürich
Aris & Aulis
KMD Daniel Schmid, Leitung

Programm:
"Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei", Kantate BWV 179
Lutherische Messe G-Dur, BWV 236

Notizen zum Programm:
Zwischen den beiden heute erklingenden Werken gibt es eine musikalische Verbindung: Bach verwendete für die «Lutherische Messe» die Sätze 1 und 5 der Kantate BWV 179. Diese entstand im ersten Amtsjahr Bachs in Leipzig zum 11. Sonntag nach Trinitatis. Der Text des unbekannten Dichters knüpft eng an die Evangelienlesung, dem Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner an (Lukas 1,9-14). Er kämpft im eifernden Ton eines Kanzelredners gegen Heuchelei, die im Christentum stark verbreitet sei.

Als Eingangssatz der Kantate – er verbindet musikalisch die Kantate mit der «Lutherischen Messe G-Dur» – wählt Bach die Form der motettischen Fuge: Die Instrumente gehen mit den Singstimmen, nur der Continuo ist teilweise selbständig. Die Fuge ist als strenge Gegenfuge gegliedert, wobei jeder Themeneinsatz die Umkehrung des vorangehenden ist.

Mit den «Lutherischen Messen» knüpft J. S. Bach zum einen an die protestantische Tradition an, vorzugsweise Kyrie und Gloria zu vertonen. Zum anderen bringt der Name zum Ausdruck, dass Bach seine lateinischen Messkompositionen für den lutherischen Gottesdienst konzipierte und für hohe kirchliche Feiertage komponierte. Bach griff bei der Zusammenstellung seiner Kyrie-/Gloria-Messen auf bereits früher entstandene Kompositionen aus Kantaten zurück, für die vorliegende Messe G-Dur unter anderem auf den Eingangschor und die Tenor-Arie der Kantate.
Hier zeigt sich Bachs Parodiekunst aufs Schönste: Die vom Tutti begleitete angriffige Tenor-Arie der Kantate erklingt in der Messe im halben Tempo als intimes Duett zwischen Solo-Oboe und Tenor. Ebenso bemerkenswert ist, dass der Kopfsatz beider Werke die Eindringlichkeit des Themas je in eigener Weise deutet: In der Kantate «Siehe zu, dass deine Gottesfurcht nicht Heuchelei sei» ziemlich energisch mit einem Spruch aus Jesus Sirach (1,29), in der «Lutherischen Messe G-Dur» als um göttliches Erbarmen flehendes «Kyrie eleison».

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