• Sa 09. Nov 2019
  • 20.00 – 22.00 h

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht...

Widerstand in Berlin von der Reichspogromnacht bis Kriegsende
Szenische Aufführung
Predigtkirche
Detail große Sauer-Orgel Berliner Dom. Foto: Maren Glockner

WIDERSTAND IN BERLIN
von der Reichspogromnacht bis Kriegsende

SZENISCHE LESUNG MIT MUSIK

Begrüßung: Domprediger Thomas C. Müller
Einleitung: Dr. Rüdiger von Voss, Ehrenvorsitzender der Stiftung 20. Juli 1944

Sprecher:
Martina Gedeck, Hanns Zischler
Aysima Ergrün, Eidin Jalali
Lukas Huber, Till Timmermann
Domorganist Andreas Sieling, Orgel


„Mag sein, daß der Jüngste Tag morgen anbricht“, schreibt Dietrich Bonhoeffer Ende des Jahres 1942 – und fügt sogleich hinzu: „dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.“ Widerstand in Nazi-Deutschland bedeutete, der Gefahr ins Auge zu sehen und ihr entschlossen, manchmal sogar mit Gelassenheit zu begegnen.
Der Abend in der Predigtkirche des Berliner Doms ist dem deutschen Widerstand in seiner ganzen Bandbreite gewidmet, genauer gesagt dem Widerstand in Berlin. Die Motive waren vielfältig und so kommen unterschiedlichste Menschen zu Wort, von dem konservativen Diplomaten Ulrich von Hassell bis hin zu Herbert Baum, der eine Gruppe junger Kommunisten meist jüdischer Herkunft anführte.
Zwei Akteure und wichtige Chronisten des oppositionellen Geschehens geleiten uns durch den Abend: Die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich, mit ihren beeindruckenden Aufzeichnungen „Der Schattenmann“, sowie Helmuth James von Moltke, der über Jahre eine bewegende, sehr direkte Korrespondenz mit seiner Frau Freya geführt hat. Die freie, improvisierte musikalische Begleitung übernimmt der Domorganist Andreas Sieling. So entsteht ein eindrückliches Wort- und Klangbild zu Ehren der vielen Menschen, die in Berlin, in Deutschland den Mut fanden, Widerstand zu leisten.

Berlin, die Reichshauptstadt, war auch Hauptstadt des Widerstands. Menschen fanden aufgrund ihrer Weltanschauung, ihrer politischen Überzeugung oder ihres religiösen Glaubens den Weg in die Opposition. Man konnte untertauchen, als Einzelner im Alltagswiderstand agieren oder Netzwerke der Verschwörung aufbauen. In den vorgetragenen Zeugnissen, darunter Briefe, Tagebucheinträge, Berichte, Flugblätter, wird der zeitgeschichtliche Hintergrund auf plastische Weise erfahrbar und zugleich das tragisch-existenzielle Erleben jedes Einzelnen, der sich in den aktiven Widerstand begab. Die persönliche Entschlossenheit und die Mannigfaltigkeit der Positionen werden uns u. a. durch die Stimmen von Hans von Dohnanyi, Liane Berkowitz, Cato Bontjes van Beek, Alwin Brandes oder Adam von Trott zu Solz vor Augen geführt.

Der Blick auf jene, die sich im Untergrund, im Staatsapparat oder in privaten Zusammenhängen gegen die Nazis auflehnten, zeigt ein anderes Deutschland, eine andere Stadt, zeigt Berlin von einer weithin unbekannten Seite. Viele von uns haben von dem Jakob-Kaiser-Haus gehört, kennen die Julius-Leber-Brücke, die Liselotte-Hermann-Straße, den Wilhelm-Leuschner-Ring – aber die wenigsten wissen um die Menschen hinter diesen Namen. Wenigen ist bekannt, dass es in der Barnimstraße ein berüchtigstes Frauengefängnis gab oder in der Rosenthaler Straße eine Blindenwerkstatt, in der Otto Weidt jüdische Mitbürger vor der Verfolgung schützte. Dass Adolf Grimme in Kleinmachnow lebte und die Teegesellschaft um Hanna Solf sich in der Steglitzer Ahlsenstraße traf. Das Wissen um diese Menschen, um diese Orte lässt uns Berlin neu entdecken. Wie einem Palimpsest wird der Topographie Berlins nicht nur der Terror, sondern auch die Geschichte des Widerstands eingeschrieben.

XS
SM
MD
LG