Domprediger Michael Kösling

Als ich mit dem Theologiestudium begann, war es für mich überhaupt noch nicht klar, später auch ins Pfarramt zu gehen. Ich konnte mir vieles andere vorstellen. Die Themen der Theologie haben mich jedoch fasziniert, der weite Focus, die Relevanz für mein Leben, der Umgang mit Texten. Wie das angefangen hat? Der Gottesdienst war für mich schon als kleiner Junge ein Geschehen, das mich ergriffen hat. Die liturgischen Stücke im Geiste mitsingen. Die Predigt versuchen zu verstehen. Im Gebet bei Gott sein. Das war etwas anderes als das atheistische Umfeld, in dem ich mit meiner Familie in der DDR aufwuchs. Es war kräftiger, wahrer, klüger. Bekenntnis-Situationen wurden wichtig: Kum ba yah my lord und We shall overcome mit der Gitarre im Musikunterricht. Mein Pfarrer, der die Freiheit dieses Amtes gelebt hat. Ja, die Freiheit dieses Amtes! Sie war vielleicht das Ausschlaggebende, wirklich Pfarrer zu werden.

Domprediger Michael Kösling
Domprediger Michael Kösling

Ich kann mir immer noch anderes vorstellen, möchte aber nichts Anderes machen, als Gott in das Leben der Menschen zu tragen im Gottesdienst, in der Konfirmandenzeit, im Kindergottesdienst, am Anfang des Lebens und an seinem Ende und mittendrin: das Leben der Menschen in eine Hoffnung stellen, ohne die ich nicht leben könnte und die kräftiger, wahrer und klüger ist. Das ist eine schöne Aufgabe. Wenn ich mich von ihr erhole, dann laufe ich Langstrecke, wandere im Brandenburgischen oder in den Alpen und flechte Stühle.

 


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