Sommer und die Sauerorgel

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Bereits zum 12. Mal findet im Berliner Dom das Festival Orgelsommer! statt. Wir wollen Ihnen hier Lust auf die tollen Konzerte machen:


Das Auftaktkonzert am 7. Juli bietet die Übertragung von Bruckners 9. Sinfonie auf die Orgel. Da die Ästhetik unserer Sauer-Orgel sich ganz an dem Orchesterklang des späten 19. Jahrhunderts orientiert, ist dieses Eröffnungsprogramm ein Glücksfall. Die dreisätzige Symphonie entfaltet auf der Orgel eine durchaus eigene, großartige Wirkung, die sich nicht mit der Orchesterfassung vergleichen lässt und die sowohl die geistliche Dimension als auch die Modernität dieser Musik umso stärker hervortreten lässt. Während das Original von einem etwa 100 Musiker umfassenden Orchester gespielt wird, sitzt hier ein einziger Interpret am Instrument, nämlich der Baseler Organist Thilo Muster.


»Aus der neuen Welt« ist die Überschrift des Orgelabends am 14.  Juli und sie suggeriert sogleich den Bezug zu Amerika. Antonín Dvořák versuchte in seiner 9. Symphonie »Charakteristika zu porträtieren, die deutlich amerikanisch sind«. In diesem Werk mit dem Titel »Aus der neuen Welt« versucht der Komponist mit Hilfe stilisierter musikalischer Folklore »im Geist der Nationalmelodien« zu schreiben. Den zweiten Satz daraus bezeichnete Dvořák als »Legende«. Breite Bläserakkorde schaffen eine feierliche Einleitung, und über zarten Streicherklängen erklingt das Englischhorn. Erstmals gastiert mit Anna-Victoria Baltrusch eine ehemalige Studentin unseres Domorganisten innerhalb des Internationalen Orgelsommers.


Magne Draagen aus Trondheim stellt uns am 21. Juli »Symphonische Landschaften« aus Skadinavien und aus dem Baskenland vor und am 28. Juli erklingt wie auch im Eröffnungskonzert ein reines Transkriptionenprogramm. Zu Gast ist der französische Organist Paul Goussot, der an der berühmten Dom Bedos-Orgel in Bordeaux tätig ist. Im Rahmen seines Konzertes bezieht sich Paul Goussot auf Arnold Böcklins Toteninsel; eine der fünf Fassungen des Gemäldes »Die Toteninsel« hängt gleich nebenan in der Alten Nationalgalerie. 

 

Foto: Maren Glockner

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Im August stehen zahlreiche Bearbeitungen klassischer Sinfonien auf dem Programm unserer Gäste beim 12. Internationalen Orgelsommer, jeweils Freitag um 20 Uhr.
Jens Korndörfer aus Atlanta, wird am 4. August den Berliner Dom mit Wagners Ouvertüre zum »Fliegenden Holländer« kurzzeitig unter Wasser setzen. In einer Transkription von Franz Liszt wird uns der »Pilgerchor« einen Besuch abstatten. In Mendelssohns Orgelsonate A-Dur findet sich im ersten Fugenteil der Lutherchoral »Aus tiefer Not schrei ich zu dir«. Die zweite Fuge erinnert stark an ein Thema aus Mendelssohns Lobgesang: »Hüter, ist die Nacht bald hin?«.

Eine lebende Legende des Orgelspiels dürfen wir am 11. August innerhalb unseres Orgelsommers erleben. Der berühmte Stadtorganist aus Birmingham, Thomas Trotter, bringt ein ganz und gar englisches Programm mit: Die Ouvertüre zu Mendelssohns Oratorium Paulus wirkt wie eine Zusammenfassung des gesamten Werkes und evoziert das Erwachen von Paulus‘ Glauben. Natürlich werden auch Werke »richtig« englischer Komponisten zu hören sein, nämlich Orgelwerke von Ralph Vaughan Williams, Alfred Hollins und Charles Stanford.

In Düsseldorf lernte der zwanzigjährige Brahms Clara und Robert Schumann kennen, die ihn herzlich bei sich zu Hause aufnahmen. Besonders Robert Schumann war begeistert von den Kompositionen des jungen Mannes. Vier Wochen verbrachte Brahms bei dem Ehepaar in Düsseldorf und nahm mit einem Empfehlungsschreiben Schumanns Abschied, um nach Leipzig zu gehen. »Ziemlich beste Freunde« also, und so ist auch das Programm überschrieben, das Christoph Schoener am 18. August mit Werken aus dieser Dreiecksbeziehung spielen wird.

Das Abschlusskonzert am 25. August ist gleichzeitig das zweite Konzert innerhalb des Bach-Projektes. Aufgrund des zeitgenössischen ungleichstufigen Tonsystems besaßen die Tonarten unterschiedliche Charakteristika. Die Tonart C-Dur zum Beispiel besitzt nach Worten von Johann Mattheson eine »ziemlich […] freche Eigenschaft / wird aber zu Rejouissancen, und wo man sonst der Freude ihren Lauff läst / nicht ungeschickt seyn«. So stehen die Werke dieses Programm hauptsächlich in C-Dur und G-Dur (Triosonaten), es erklingt neben dem Concerto C-Dur, BWV 594 ein vor Vitalität sprühender Choral aus dem »Orgelbüchlein«, der aufzeigen soll, woher die barocke Lebenslust ihre Kraft speist: »In dir ist Freude«.

Foto: Maren Glockner