Telemania im Berliner Dom

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Der Staats- und Domchor und sein Leiter Kai-Uwe Jirka feiern in diesem Jahr Georg Philipp Telemann aus Anlass seines 250. Todestages als den Komponisten der Stunde:


Im Gegensatz zu Johann Sebastian Bach, in dessen Schatten der Magdeburger Barockmeister bis heute steht, war Telemann ein überzeugter Europäer, ein Aufklärer und grenzüberschreitender Vermittler vieler nationaler Stile und Spielweisen. Man hat aus seinem enormen kompositorischen Schaffen bislang oft die eher pädagogischen Arbeiten hervorgehoben. Der Staats- und Domchor Berlin wird sich dagegen 2017 intensiv mit den kunstvollsten Hauptwerken der Telemann’schen Vokalmusik, mit pfiffigen, immer humor- und kunstvollen Nebenwerken und spannenden Neuentdeckungen befassen.


Ein ganz besonderer Fund sind mehrere Kantaten aus dem sogenannten Zellischen Jahrgang (1730/31), die sich in Abschriften im Archiv der Sing-Akademie zu Berlin erhalten haben und seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr erklungen sind. Die Spezialisten der lautten compagney Berlin haben uns geholfen, diese Schätze aus dem Notenmaterial zu transkribieren. Man darf sich also auf Erstaufführungen im Berliner Dom freuen.

 

Was ist das Besondere an entdeckten Telemann-Kantaten, die man auch als kleine Oratorien bezeichnen kann? Schon der Dichter Lessing hatte erkannt, dass es sich bei diesem Jahrgang um Musik von ganz besonderer Qualität handelt. Wie kein anderer Komponist seiner Zeit verstand es Telemann, mit den Noten zu ‚malen‘ und den Text rhetorisch auszudeuten. So kann das Ohr theologische Begriffe, komplexe Ideen und Diskurse ganz unmittelbar aufnehmen und sinnlich verstehen. Oft treten Allegorien wie die ‚Demut’, die ‚Vergessenheit’, die ‚Verzagtheit’ oder das ‚Gewissen’ ins Gespräch miteinander. Dabei gelingt es Telemann, Intellekt und Affekt aufs Schönste zu vereinen und manchmal auch streiten zu lassen. Die Textvorlagen des Hamburger Juristen und Dichters Albrecht Jakob Zell sind für ihre Zeit progressiv und haben sämtlich einen dramatischen, manchmal auch drastischen Zug, entbehren aber nicht lyrisch-meditativer, wundervoller Arien.


Im Berliner Dom lässt sich Telemanns Schaffen im Berliner Dom von einer ganz neuen Seite erleben.    


Freitag, 3. März, 19 Uhr

Kammerkonzert in der Trau- und Taufkapelle – Passionskantaten von Georg Philipp Telemann

 

Donnerstag, 25. Mai, Himmelfahrtsgottesdienst, 10 Uhr
Im Gottesdienst: Telemanns Himmelfahrtskantaten
zur Eröffnung des Kirchentages


Sonnabend, 24. Juni Domvesper, 18 Uhr

Telemann-Kantate zum Johannistag
(am Vorabend von Telemanns 250. Todestag)