Die verkannte Königin - 300. Geburtstag von Elisabeth Christine von Preußen

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Sie war Preußens erste Landesmutter und 46 Jahre lang Königin: Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1715-1797). Für ihr Pflichtbewusstsein wurde sie bewundert, für ihre aufgeklärte Menschenfreundlichkeit verehrt. Aber im Gedächtnis der Geschichte blieb sie lange nur als die ungeliebte Ehefrau Friedrichs des Großen.


Dieses Bild wollen wir korrigieren. Aus Anlass ihres 300. Geburtstages am 8. November zeigen wir einen Animationsfilm zum Leben der Königin in der Hohenzollerngruft, in der Elisabeth Christine bestattet wurde. Die Berliner Domstiftung hat den Film gefördert, ebenso wie zwei weitere Filme zur Kindersterblichkeit von Prinzen und Prinzessinnen und zur Geschichte der Hohenzollerngruft.


Nach dem Gottesdienst, am Sonntag, den 8. November 2015, um 11.30 Uhr, ehrt der Förderverein Schloss Schönhausen e.V. die Königin an ihrem 300. Geburtstag mit einer öffentlichen Kranzniederlegung in der Gruft.

 

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Foto: Wolfgang Pfauder, SPSG

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Geboren wurde Prinzessin Elisabeth Christine vor genau 300 Jahren, am 8. November 1715 im beschaulichen Wolfenbüttel. Der jahrelange Streit um die preußische Heiratspolitik hatte die königliche Familie gespalten und eine vergiftete Atmosphäre hinterlassen. Vergeblich hatte Kronprinz Friedrich versucht, sich der Tyrannei seines Vaters, Friedrich Wilhelms I., durch Flucht zu entziehen. Am Ende hatte der „Soldatenkönig“ sich gegen alle durchgesetzt. Die Hochzeit des Thronfolgers mit der jungen Elisabeth Christine, einer Nichte der Kaiserin, war beschlossen, und Kronprinz Friedrich spielte notgedrungen den gehorsamen Sohn. Freundlichkeiten hatte die junge Prinzessin in dieser Umgebung kaum zu erwarten.


Am 11. Juni 1733 fand die feierliche Vermählung statt. Der Kronprinz schien seine Ehe in erster Linie als Formsache behandeln zu wollen. Die 17-jährige Elisabeth Christine dagegen liebte und bewunderte ihren Mann von Anfang an. Die Beziehung des Kronprinzenpaares schien sich ein wenig zu bessern, als die beiden 1736 gemeinsam Schloss Rheinsberg bezogen. Doch unmittelbar nach seiner Thronbesteigung 1740 machte Friedrich seine frühere Ankündigung wahr und lebte fortan faktisch getrennt von seiner Frau. Die Ehe der beiden blieb kinderlos.


Während der langen und wechselvollen Kriegsjahre nach Friedrichs Überfall auf Schlesien übernahm Elisabeth Christine mehr und mehr die Pflichten der höfischen Repräsentation. Friedrich selbst zog sich in seine Potsdamer Schlösser zurück. Am Berliner Hof hielt er sich nur noch auf, wenn es nicht zu vermeiden war.


Elisabeth Christine nutzte ihre Spielräume. Sie pflegte die Verbindungen zur weitläufigen Verwandtschaft in ganz Europa, versammelte die Familie um sich. In Schönhausen ließ sie Wälder anlegen, etablierte eine Seidenraupenzucht. Sie förderte die Ansiedlung böhmischer Tuchmacher, unterstützte Hilfsbedürftige, wo immer sie konnte. Sie stand in engem Kontakt zu bedeutenden Vertretern der Berliner Aufklärungstheologie und übersetzte deren Schriften ins Französische. Sie hatte ihren eigenen Kopf. Aber ihre Treue zum König blieb unerschütterlich, auch über dessen Tod hinaus. Ihre Menschenfreundlichkeit und Religiosität machten sie bei ihren Untertanen beliebt. Elisabeth Christine wurde zur ersten preußischen Landesmutter. Durch sie wurde Volksnähe zu einer neuen royalen Tugend.


Am 13. Januar 1797 starb Königin Elisabeth Christine. Auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin erfolgte die Beisetzung in beinahe schon bürgerlicher Schlichtheit. Im 19. Jahrhundert musste der einfache schwarze Eichensarg wegen Hochwasserschäden mehrfach umgesetzt werden, ehe er in der Hohenzollerngruft des neuen Berliner Domes seinen Platz fand. 1944 stürzten Teile der Kuppel ins Kirchenschiff und durchschlugen den Boden. Mehrere Särge wurden zerstört, darunter allem Anschein nach auch der von Königin Elisabeth Christine. Nur der Platz, an dem er stand, ist noch bekannt.