Coming out im Vakuum - Zeitgeschichte persönlich erlebt

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Ab Oktober startet der Berliner Dom eine neue Veranstaltungsreihe „Zeitgeschichte persönlich erlebt“ - bei der Menschen aus unserer Domgemeinde von ihren Erfahrungen berichten.

 

Das Thema des ersten Abends am Mittwoch, den 21. Oktober 2015  mit Gemeindemitglied Christian Pulz lautet: Coming out im Vakuum  - Selbstbestimmtes Leben Homosexueller in der DDR im Widerstreit mit der Diktatur.

 

Christian Pulz (Jg.1944) gründete 1983 unter dem Dach der Evangelischen Kirche in der DDR die Gruppe „Schwule in der Kirche – Arbeitskreis Homosexuelle Selbsthilfe Berlin“. Dieser emanzipatorische Arbeitskreis wurde als „staatsfeindlich“ eingestuft und, mit dem Ziel ihn zu „zersetzen“, intensiv überwacht und bespitzelt. Die umfangreiche Stasi-Akte „OV Orion“ zu Christian Pulz und dem Arbeitskreis liegt mittlerweile größtenteils wieder rekonstruiert vor.

 

Wie wurde die „Privatsache“ Homosexualität zu einem Politikum und damit Gegenstand der Gesellschaftskritik in der DDR? Der erste Abend der neuen Reihe „Zeitgeschichte persönlich erlebt“, ermöglicht einen Einblick in diese Frage und thematisiert den Alltag der Diktatur und in die Vorgeschichte der Friedlichen Revolution 1989/90 am Beispiel der kirchlichen Lesben- und Schwulenbewegung innerhalb der Widerstands- und Bürgerrechtsbewegung in der DDR.

 

Nach dem konsequenten und offenen Ehe-Votum der Iren, will der Abend zugleich ein Beitrag sein, zur aktuellen Diskussion um die Stellung von Homosexuellen in Gesellschaft und Kirche.

 

Zeitgeschichte persönlich erlebt - Coming out im Vakuum, Christian Pulz

 

Mittwoch 21.Oktober 2015, 19:30 – 21:00 Uhr, Sophie-Charlotte-Saal, Eingang über Portal 2.

 

Der Eintritt ist frei.

 


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Mittwoch 25.November 2015, 19:30-21:00 Uhr

Zeitgeschichte persönlich erlebt - Christ in Uniform, Jörg Schönbohm

Jörg Schönbohm (Jg. 1937), ist ein streitbarer Konservativer mit freiheitlich demokratischen Überzeugungen. Zuletzt Innenminister des Landes Brandenburg erinnert er sich: Sein Großvater verkaufte einst das erste Bild von George Grosz, Not und Überlebenskampf nach dem zweiten Weltkrieg prägen ihn. 1990 übernimmt der General der Bundeswehr im Zuge der Wiedervereinigung die NVA. Er wird Staatssekretär in Bonn und Innensenator in Berlin. Mehr als ein halbes Jahrhundert nach beider Flucht kehren seine Frau und er in ihre Heimat zurück, werden 1996 Mitglieder der Domgemeinde und Jörg Schönbohm erlebt mit Manfred Stolpe, Matthias Platzeck und Angela Merkel turbulente Jahre in der Landes- und Bundespolitik. 

 



Mittwoch 20. Januar 2016, 19:30-21:00 Uhr

Zeitgeschichte persönlich erlebt - mein Schicksalsort Bernauer Straße. Jörg Hildebrandt


Jörg Hildebrandt (Jg. 1939) stammt aus einer ostpreußischen Pfarrersfamilie, nach Flucht über Haff und Ostsee landet er schließlich in Berlin, Bernauer Straße, Versöhnungskirche. Der Bau der Berliner Mauer entlang dieser Straße bestimmt sein weiteres Leben. Unter der Chorleitung seines Bruders Herbert Hildebrandt singt er - seit deren Gründung 1961 - über Jahrzehnte in der Berliner Domkantorei. Bis 1990 tätig als Lektor in der Evangelischen Verlagsanstalt in Ost-Berlin, gestaltet Jörg Hildebrandt in der Friedlichen Revolution 1989/90 an führender Stelle die demokratische Umgestaltung des Rundfunks der DDR mit und zählt zu den Gründern des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB), der 2003 mit dem Sender Freies Berlin (SFB) zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) fusioniert. Verheiratet mit Regine Hildebrandt, Ministerin für Arbeit und Soziales in der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maiziére und bis 1999 im Potsdamer Kabinett unter Manfred Stolpe,  ist er als teilnehmender Beobachter nahe dran an den schwierigen Transformationsprozessen, des gelegentlich als „kleine DDR“ apostrophierten, wiedererstandenen Landes Brandenburg.