Aktuelles / Presse-Mitteilungen

400 Jahre Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin

1608_Kirchenordnung.jpg Die erste urkundliche Erwähnung der Oberpfarr- und Domkirche liegt 400 Jahre zurück.
In einer Urkunde vom 22. Mai 1608, die im Domarchiv als Abschrift aus dem 17. Jahrhundert vorliegt, wird bezeugt, dass Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg der Domkirche die Bezeichnung „Oberste Pfarrkirche“ verleiht: „…so haben wir nicht unterlassen wollen, vorgemeldete Domkirche zur obersten Pfarrkirchen allhier in unser Stadt Cölln an der Spree gnädigst zu verordnen, auch mit unsern lieben getreuen Bürgermeistern und Ratmännern, auch ganzen gemeiner Bürgerschaft uns gnädigst dahin verglichen, dass sie uns zu untertänigsten Gehorsam gewilliget und eingangen, mehr gedachte Domkirche für die oberste Pfarrkirche allhier zu Cölln zu halten…“

Gleichzeitig mit der Einweihung der umgebauten Domkirche am Trinitatis-Sonntag 1608 sollte die Domkirche „in guten Stand“ erhalten werden, was sich in diesem Fall aber nicht auf die Gebäudeerhaltung, sondern auf die hochwertige Gestaltung der Gottesdienste und Predigten bezog. Zur Unterstützung dieses Anliegens hat der Landesherr sich mit den Bürgermeistern, Ratsherren, der Gemeinde und Bürgerschaft dahin geeinigt, den Dom zur obersten Pfarrkirche zu bestimmen.

Diesem Dokument liegt auch eine Kirchenordnung bei, die sehr genau festlegt, wann und in welcher Form die Gottesdienste in der Domkirche zu feiern sind. Das Dokument wurde von Kurfürst Joachim Friedrich mit „unserm Daumensekret wissentlich besiegelt und eigenen Händen unterschrieben“.

Das Domkirchenkollegium des Berliner Dom möchte alle Berlinerinnen und Berliner, alle Freunde des Berliner Domes aus Nah und Fern einladen, dieses Jubiläum mit uns zu feiern.


Samstag, 17. Mai

 

11.00 Uhr Eröffnung einer kleinen Sonderausstellung zum Jubiläum
Urkunden und Abendmahlsgerät aus dem 17. Jahrhundert

und

 Erstmaliger Verkauf der Collagen aus der Kunstaktion der Berliner Stadtreinigung zur „intelligenten Entsorgung“ der alten Kuppellaterne zugunsten des Berliner Domes

 

18.00 Uhr Ökumenische Vesper
Bischof Theodor Clemens, Vorsitzender des Ökumenischen Rates
Generalsuperintendent Ralf Meister
Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein
Domorganist Andreas Sieling
Schola der Berliner Domkantorei, Leitung: Domkantor Tobias Brommann

 

Anschließend Grußworte von: Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer und Bischof Theodor Clemens, Vorsitzender des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg

 

Danach Empfang in allen Türmen des Berliner Domes.

 

21.00 Uhr Festliches Konzert zum Jubiläum
Werke aus vier Jahrhunderten für Bläser und Orgel
Von Gabrieli, Bach, Mendelssohn-Bartholdy, Bruckner u.a.
Orgel: Domkantor Tobias Brommann
Berliner Dombläser, Leitung: Domorganist Andreas Sieling

 

Sonntag, 18. Mai

 

10.00 Uhr Festgottesdienst mit Abendmahl
Präses i.R. Manfred Kock
Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann
Orgel: Domkantor Tobias Brommann
Staats- und Domchor Berlin, Leitung: Prof. Kai-Uwe Jirka
Trompete: Lars Ranch

 

18.00 Uhr Festgottesdienst
Prof. Dr. Drs. h. c. Eberhard Jüngel D. D., Ehrendomprediger
Orgel: Domorganist Andreas Sieling
SaxophonQuadrat

 

Frohe Botschaften aus dem Berliner Dom

segelfertigung1.jpg Es wird viele Menschen freuen – so lange schon hat man auf den Beginn der Arbeiten zur neuen Laternenbekrönung gewartet. Nun, nachdem wir Monate hinter den Kulissen gearbeitet haben, gibt es endlich auch etwas zu sehen.

Die Herstellung der Laternensegel und des Kuppelkreuzes hat begonnen. Die Bleche aus besonders hochwertigem Edelstahl wurden zugeschnitten. In der Werkstatt der Firma Breidenbach aus Peiting in Oberbayern nehmen nun die ersten Stahlsegel Gestalt an. Doch auch in Berlin gibt es in den kommenden Tagen etwas zu sehen. Auf dem Bauhof an der Nordseite des Doms wird bereits eine Gerüsthalle errichtet. Um den 21. April werden hier die ersten Bauteile erwartet und in der Halle weiter verarbeitet. Weitere Lieferungen sollen in der 19. Kalenderwoche und gegen Ende Mai erfolgen. Weil die fertigen Segel zu sperrig sind, werden sie in handlichen Stücken bearbeitet: sie werden mit Kupfer verkleidet und vergoldet, anschließend zusammengefügt und schließlich mit Kreuz und Kugel an einem großen Stahlrohr, dem Kaiserstiel, verbunden.
Die Aufsetzung der Laternenbekrönung mit dem Kreuz wird in den Sommermonaten vollzogen werden, einen konkreteren Termin gibt die Domverwaltung voraussichtlich Anfang Juni bekannt.

 

Beteilige Firmen:
Metallbau: Breidenbach Metallbau GmbH
Kupferverkleidung: Michaelis Dachdeckerei u. Klettertechnik GmbH
Vergoldung: Reinhard Wolff Kunsthandlung GmbH
Planung: NITEC Gesellschaft für Bauleitung und Projektsteuerung mbH
Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Rüdiger Jockwer GmbH

 

Intruduzione! Einweihungskonzert der neapolitanischen Orgel in der Tauf- und Traukirche

ital._orgel.jpgMontag, 07. April 2008 - 20:00 Uhr

 

Capella Cantorum
Irina Kisselova, Barockvioline
Klaus Eichhorn, Orgel

 

Eintritt frei - Anmeldung erforderlich unter Tel.: 030-202 69 136

 

Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten im Museum Nikolaikirche wurde die italienische Orgel, die seit dem Jahr 2000 dort untergebracht war, im Dezember 2007 umgesetzt und ist nun als Dauerleihgabe im Berliner Dom zu sehen und zu hören.
Eine bewegte Geschichte hat dieses Instrument inzwischen hinter sich – eine Italienerin auf Reisen!
Ein Erbauer kann nicht festgestellt werden, ebenso ist eine exakte Datierung nicht möglich. Anhand von ähnlich gestalteten Vergleichsobjekten ist jedoch abzuleiten, dass die Entstehungszeit im 17. Jahrhundert liegen muss und die äußeren Merkmale der Orgel lassen vermuten, dass sie im neapolitanischen Umfeld entstanden ist.
Das Instrument wurde 1979 von Klaus Eichhorn, Professor für Orgel und Generalbass an der Hochschule für Künste Bremen in völlig zerstörtem, unbespielbaren Zustand erworben. Im Jahr 1980 restaurierten Jürgen Ahrend (Leer/Ostfriesland) und Bernhard Junghänel (Gütersloh) das Instrument, so dass sie von 1980 bis 1993 in der St. Matthäi-Kirche als Gast logieren konnte, dann für knapp zwei Jahre in die St. Nikolai-Kirche Spandau umzog, im Januar 1995 in die Dorfkirche Petzow bei Werder überführt wurde, bis sie dann am 23. Oktober 2000 in das Museum Nikolaikirche kam.

 

Disposition:

1 Manual
Umfang 45 Tasten C – c’’’ (kurze Oktave)
Principale  (8’)
Ottava  (4’)
Quintadecima (2’)
Decimanona  (1 1/3’, repet. ab fs’’ 2 2/3’)
Vigesimaseconda (1’, repet. ab cs’’ 2’)

Stimmung: mitteltönig


Nun hat sie ihren Platz auf der Orgelempore der Tauf- und Traukirche im Berliner Dom gefunden und wird am 7. April das erste Mal in einem Konzert zu hören sein.
Somit verfügt der Berliner Dom nun über drei Orgeln: die berühmte spätromantische Große Sauerorgel in der Predigtkirche, die von Fritz Heitmann konzipierte Schukeorgel sowie die mitteltönig gestimmte italienische Orgel in der Tauf- und Traukirche.

 

"Schlüsselerlebnisse" Beitrag im Tagesspiegel über den Berliner Dom

In seiner Reihe "Schlüsselerlebnisse" stellt der Tagesspiegel herausragende Gebäude Berlins vor, so auch den Berliner Dom. Der Beitrag ist vom 27.01.2008. <<Download hier!>>
 

Berliner Dom: Die Herstellung des Kreuzes beginnt!

engel.jpg Am 6. Dezember 2006 musste das vergoldete Kuppelkreuz aufgrund starker Korrosionsschäden von der Kuppel des Berliner Domes abgenommen werden. Seitdem ragt nur noch ein trauriger Laternenstumpf in den Himmel.
Ein Jahr danach gibt es – passend zum Nikolaustag – wieder gute Nachrichten. Die Stahlbauarbeiten für die neue Konstruktion wurden ausgeschrieben. Nun kann endlich mit der Wiederherstellung des Kreuzes begonnen werden. Dazu trägt insbesondere folgende Neuigkeit bei: Die Cornelsen Kulturstiftung Berlin erhöht ihre Zuwendung auf 480.000 Euro. Sie tritt damit an die Seite der Förderer aus Bund und Land, leistet sogar den größten Beitrag zur Finanzierung der benötigten 1,4 Mio. Euro Baukosten. Das reicht aus, um die Neukonstruktion des Kuppelkreuzes zu bezahlen.
Die Stiftung der Verlegerin Ruth Cornelsen, die sich in Berlin und Brandenburg für die Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Bauwerke einsetzt, unterstreicht mit ihrer tatkräftigen Unterstützung die besondere Denkmalbedeutung der Maßnahme. Seit dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Domes war das Kuppelkreuz wichtiger Orientierungspunkt in der Stadtsilhouette; zugleich war es ein Hoffnungszeichen innerhalb des atheistischen SED-Regimes und Symbol für die Zusammenarbeit zwischen Ost und West.
Nach der überraschenden Initiative der Cornelsen Kulturstiftung besteht für die Domgemeinde nun die Hoffnung, auch die Eigenmittel für die Restaurierung der übrigen Bauteile zusammen zu bekommen: für die musizierenden Engel über dem Kuppelumgang, für die vergoldeten Turmkugeln oder für die beiden großen Kupferkronen. Bisher sind Spenden in Höhe von ca. 70.000,- Euro eingegangen. Für die Domgemeinde verbleiben noch ca. 200.000,- Euro. Auch weiterhin ist jeder kleine Beitrag zur Erhaltung des Domes willkommen.

 

Zeigen Sie weiterhin Kreuz!

Stichwort „Kreuz zeigen!“
KD-Bank e.G.
BLZ 350 601 90
Ktn. 20072008

 

Ansprechpartner: Antje Zimmermann, Tel.: 030/ 202 69 102, Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können

 

 

Erfolgreiche Aufführung der Berliner Domkantorei - "The Armed Man" A Mass For Peace von Karl Jenkins

Am Samstag, dem 3. November 2007, wurde das zur Jahrtausendwende komponierte Werk des britischen Komponisten Karl Jenkins im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt uraufgeführt. Die einleitende Ansprache hielt Prof. Dr. Christoph Markschies, Gemeindeglied der Oberpfarr- und Domkirche. Den Wortlaut seiner Ansprache können Sie hier nachlesen:

„Den Opfern des Kosovo gewidmet“, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist die Friedensmesse „The armed man“ des englischen Komponisten Karl Jenkins gewidmet, die nach Mendelssohns Kantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ und einem der „Chichester-Psalms“ von Leonard Bernstein heute abend im Konzerthaus erklingen wird. Die drei sehr unterschiedlichen Stücke aus drei sehr unterschiedlichen Jahrhunderten verbindet zumindest eines – die leidenschaftliche Bitte um den Frieden in dieser Welt.

Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb seine kleine Kantate während des Karnevals in Rom 1831; vertont ist ein Choraltext Martin Luthers: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unseren Zeiten, es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott alleine“. Luther hat mit diesen Worten ganz schlicht und praktisch Wort für Wort eine spätantike Antiphon, also einen Einleitungsvers, übersetzt, die wir noch heute als Kanon singen: Da pacem domine in diebus nostris. Zu der Zeit, als Luther die lateinische Antiphon vertonte (1528/1529), waren, zurückhaltend formuliert, wenig friedliche Zeiten, braute sich, um direkter zu reden, eine hochgefährliche politische Lage zusammen: Der katholische Kaiser Karl hatte seinen französischen Feind Franz niedergerungen und wendete sich nun seinem deutschen Reich zu. Auf dem Reichstag von Speyer im Februar 1529 hatte er durchgesetzt, daß alle Stände, die sich zur neuen evangelischen Lehre mit der Reichsacht bedroht waren, also für vogelfrei erklärt worden waren. Und seit Herbst 1528 rüsteten die Türken und begannen im Frühjahr des folgenden Jahres, bis vor Wien zu marschieren. Schlimmster Krieg drohte: Bürgerkrieg im Reich und die Eroberung weiterer Gebiete durch die Türken. Ein evangelischer Christenmensch mußte zu dieser Zeit befürchten, entweder von den kaiserlichen Truppen hingemordet zu werden oder von den Soldaten des Sultans ins die Sklaverei verkauft zu werden. Von all’ diesen fürchterlichen politischen Kontexten ist in Luthers Lied, das Mendelssohn vertont, nichts zu spüren: Gegen die Unruhe der Verhältnisse wird die feste Zuversicht des neuen Glaubens gesetzt: „Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott alleine“ dichtet Luther und hat das „alleine“ zum lateinischen Text hinzugefügt, ein kleines Wörtlein, das eine Wörtlein, das die Angst und den Teufel, der nach Luther Angst macht, fällen kann, das Wort allein. Mendelssohns Choralkantate beginnt ganz zart, mit tiefen und leisen Tönen, als ob wir für Frieden nur aus der Tiefe unseres eigenen Unfriedens, aus der Tiefe unseres Zweifels rufen könnten, ganz zart, ganz sacht und uns erst durch mehrfache Wiederholung des alten Gebetes unserer Zuversicht versichern könnten – die Choralzeile wird zunächst nur vom Baß gesungen, erst bei der dritten Wiederholung der Choralzeile unterstützt das volle Orchester einen vierstimmigen Satz.

Leonard Bernsteins Chichester-Psalms schließen ebenfalls mit einem sehr alten Friedensgebet, den in hebräischer Sprache vorgetragenen Anfangsversen des einhundertdreiunddreißigsten Psalms: „Hineh mah tov, umah naim, Shevet ahim, Gam yahad“: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen“, wie Luther übersetzte. 1965, als Bernstein diese Musik für das Sommerfestival im englischen Chichester schrieb, tobte der zweite Kaschmirkrieg zwischen Indien und Pakistan, der Vietkong und Südvietnam lieferten sich die erste große Schlacht, bei politischen Auseinandersetzungen in Indonesien kamen zwischen hunderttausend und fünfhunderttausend Menschen ums Leben. Hineh mah tov, umah naim, Shevet ahim, Gam yahad. Der Beter aus grauer Vorzeit hält Gott einen Weisheitsspruch vor, der nicht nur im alten Israel, sondern auch in Ägypten und im Orient verbreitet war: Eintracht unter Brüdern ist fein und lieblich. Und er bittet, daß Gott solche Eintracht schenken möchte auf den Bergen Zions, in Israel, „denn“, so heißt es am Schluß des einhundertdreiunddreißigsten Psalms: „dort verheißt der Herr den Segen und Leben bis in Ewigkeit“. Gottgeschenkte Eintracht zwischen Brüdern – man kann sich gut vorstellen, daß Leonard Bernstein, der aus einer russischen jüdischen Familie stammte, also die Verfolgungsgeschichte der Juden in Rußland von seinen Eltern und Großeltern erzählt bekommen hatte, von den sich verschärfenden Konflikten zwischen Juden und Palästinensern im Heiligen in der Zeitung las und wegen seiner Lebenseinstellung manche Anfeindungen zu erdulden hatte, sehr konkrete Vorstellungen von Eintracht unter Brüdern hatte – weil er viel Zwietracht erlebt haben muß. Aber wirkliche Spuren dieses Unfriedens finden sich in seiner hebräischen Bitte um Frieden nicht.

Ganz anders in der Friedensmesse von Karl Jenkins. Schon zu Beginn ertönt Marschmusik, wird die Trommel zum Krieg geschlagen, marschieren die bewaffneten Männer mitten in eine traditionelle Messe mit Kyrie, Sanctus und Benedictus herein. Immer wieder Motive militärischer Marschmusik, beispielsweise mitten im Sanctus, dem „Dreimal Heilig“ des klassischen Meßgottesdienstes. Während in der alten Welt galt, daß der Krieger seine Waffen an der Kirchentür abgeben mußte, marschieren die Soldaten im zwanzigsten Jahrhundert in die Kirchen hinein, zünden in den Synagogen die Menschen bei lebendigem Leibe an und sprengen die Moscheen in die Luft. Und noch viel konkreter wird die furchtbare Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts in dieser Friedensmesse, die zur Feier des Jahrtausendwechsels komponiert wurde: Als zweites Stück ertönt genau jener Muezzinruf, der in der arabischen Welt Tag für Tag von den Minaretten zu hören ist: Allahu akbar, „Gott ist groß“, la lllaha il la-lah, „es gibt keinen Gott außer Gott“. Wir alle erinnern uns daran, daß im Kosovo-Krieg des Jahres 1999 und seiner blutigen Vorgeschichte nicht nur Albaner und Serben miteinander rungen, sondern auch sunnitische Muslime auf die serbisch Orthodoxe trafen. Wie man auch immer Gründe und Verlauf der schrecklichen Auseinandersetzungen im postkommunistischen Jugoslawien beschreibt: daß Religion, daß die Religionen ihren besonderen Anteil am Morden und Schlachten hatten, wird niemand bestreiten können. Das Zusammentreffen dieser beiden Religionen findet bei Jenkins nicht mehr vor der Kirchentür, auf den Schlachtfeldern des Amselfeldes und im publizistischen Kampf der Medien statt, sondern ist in die Kirche selbst hineingewandert, in die Messe, in den Gottesdienst: Das „Allahu akbar“ der Muslime und das „Kyrie eleison“ der orthodoxen Christen folgen unmittelbar aufeinander – beten Christen und Muslime zum selben Gott? Die, die im ehemaligen Jugoslawien gegeneinander kämpften, waren sich sicher, nicht zum selben Gott zu beten. Wir hier in Mitteleuropa diskutieren über die nämliche Frage, streiten auch, aber schlagen uns glücklicherweise nicht den Kopf ein. Die letztgültige, die schlußendliche Antwort auf die Frage, ob Christen und Muslime zu ein und demselben Gott beten, bleibt ohnehin Gott selbst überlassen.

Wir werden mit der Friedensmesse von Karl Jenkins ein sehr englisches Stück hören. Ein Teil des Kyrie lehnt sich stark an Giovanni Pierluigi da Palaestrina an, den großen Reformator der katholischen Kirchenmusik, aber wir hören auch Militärmärsche, einen Zapfenstreich und allerlei Jazz-Elemente, großen Chor und volles Orchester – so wird auch in den englischen Kirchen musiziert, in denen es eine lebendige Tradition von moderner Musik für liturgische Zwecke gibt, die Abend für Abend in den evensongs und Sonntag für Sonntag in den Meßvertonungen zur Aufführung gebracht wird. In den Kirchen des vereinigten Königreiches sind die „bewaffneten Männer“, um die es im ersten Stück der Friedensmesse geht, viel präsenter als in deutschen Kirchen – während bei uns höchstens verschämt am Ausgang eine Tafel hängt, die die Namen der Gefallenen aufzählt, sind in den einschlägigen Kapellen der Kirchen jenseits des Kanals Fahnen drapiert, militärische Symbole auf die Altartücher gestickt. „How blest is he who for his country dies“, „Gesegnet ist, wer für sein Land stirbt oder im lateinischen Original des Horaz: Dulce et decorum est pro patria mori. Gesungen wird diese Zeile, die uns in Deutschland seit 1945 schauern macht, von Frauenstimmen, die schrille Melodieführung begleiten grelle Piccolo-Flöten.

Wir könnten uns kaum vorstellen, daß der Direktor des militärhistorischen Museums der Bundeswehr die Texte einer Messe zusammenstellen würde so wie der Master of the Armories aus verschiedensten Traditionen die Vorlagen der Friedensmesse zusammensuchte – Verse der englischen Barockdichter John Dryden und Jonathan Swift, des in Indien geborenen Kolonialdichters Kipling, Zeilen aus dem bekanntesten indischen Volksepos, dem Mahabharata, und natürlich einige, aber nicht alle Texte aus dem traditionellen Kanon der Messe, Kyrie, aber kein Gloria, Sanctus, aber kein Credo, Agnus Dei und Benedictus, letztere aber in der Reihenfolge vertauscht; ein bunter Mix aus diversen Jahrhunderten, Kulturen, Traditionen samt einem Gedicht, das Guy Wilson, der „Master of the Armories“ selbst geschrieben hat: „Now the guns have stopped“, ein Klagelied eines Überlebenden um seinen toten Freund. Aber auch viel musikalisch nachgestaltete Dramatik des Krieges: „Convey Horror“, „Entsetzen ausdrücken und vermitteln“ heißt es in der Partitur zum Stück „Charge!“, „Angriff!“, bevor nach dem Höllenlärm des Krieges Stille ausbricht, die furchtbare Stille nach der Schlacht und vor dem Zapfenstreich einer einsamen Trompete.

Die modernen Kriege sind längst global geworden – der Krieg im Nahen Osten erschüttert die Olympischen Spiele in München, er tötet Menschen in den Hochhäusern von New York. Wenn irgendwo Unfrieden ist, kann der Rest der Welt nicht in Frieden leben und wird im Inneren des Gotteshauses nicht eitel Frieden sein können. Diese Globalisierung des Krieges ist dem Stück von Jenkins abzuspüren, der Mischung der verschiedensten Traditionen und Kulturen im Stil von Musik und den verwendeten Texten. Die vielleicht auffälligste Präsenz einer hierzulande fremden Tradition ist der Muezzinruf „Allah hu akbar“, das muslimische Glaubensbekenntnis, durch dessen Aussprechen man zugleich auch zum Islam konvertiert. Ein Muezzin ist Gast in der Messe und singt zu Beginn des Stücks dieses sein Glaubensbekenntnis. Das Zeichen braucht nicht lange interpretiert werden: Christen und Muslime verbinden sich in der Friedensmesse von Karl Jenkins zum Gebet um Frieden, und mit den Worten des hebräischen Psalms in Bernsteins Vertonung wird deutlich, daß auch die Juden in dieses Gebet um Frieden einstimmen. In ähnlicher Weise hat auch der Papst im Jahr 2002 zu einem großen Friedensgebet aller Religionen nach Assisi eingeladen und gleichwohl schon bei der Einladung betont, daß es bei jenem Treffen nicht zu einer Vermischung der Religionen kommen werde: „Jede religiöse Gruppe wird je nach Glauben, Tradition und im vollen Respekt vor den anderen an einem anderen Ort beten“. Wie man auch immer zum Verhältnis der Religionen denkt, wie man auch immer zu der nicht unproblematischen Figur dreier abrahamitischer Weltreligionen steht: Daß alle Religionen um Frieden beten, beten müssen, daran kann kein Zweifel sein. Schon allein deswegen, damit „sie … hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ und „kein Volk wider das andere das Schwert erheben“ wird, wie es die Friedensvision des Propheten Jesaja verheißt. Und – wie der Papst vor dem Treffen in Assisi sagte – um alle jene zu isolieren, „die den Namen Gottes für Zwecke und mit Methoden mißbrauchen, die ihn in Wahrheit verletzen“ – im schrecklichen zwanzigsten Jahrhundert haben, wie wir alle wissen, gerade auch Christenmenschen in Deutschland den Namen ihres Gottes unnützlich geführt und so mißbraucht. Die Friedensmesse von Karl Jenkins stammt aus einem Land, in dem schon wesentlich größere muslimische Gemeinden als bei uns hierzulande das Gesicht von Städten wie Birmingham oder London deutlich sichtbar prägen; sie konfrontiert uns mit der Frage, in welcher Form sich hierzulande die Religionen gemeinsam für den Frieden einsetzen können und doch dabei an der Gewißheit festhalten, daß „ja doch kein andrer nicht“ ist, der für uns streiten könnte, „denn du, unser Gott alleine“.

 

 

Berliner Dom erhält das Signet "Berlin barrierefrei"

signet1k.jpgBerliner Dom bekommt das Signet „Berlin barrierefrei“

Am 08. Oktober 2007 wurden im Beisein von Prof. Dr. Hans Ottomeyer, Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, des Bezirksbürgermeisters Dr. Christian Hanke und des Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Martin Marquard, bedeutende Einrichtungen im Bezirk Berlin Mitte mit dem Signet „Berlin barrierefrei“ ausgezeichnet.
Unter den ausgewählten Einrichtungen sind neben dem Berliner Dom das Deutsche Historische Museum, die Gedenkstätte Berliner Mauer, das Musikinstrumentenmuseum, die Arkaden am Potsdamer Platz, das InterContinental und das Hotel Schweizerhof. All diese Einrichtungen haben einen besonderen Service für Menschen mit Behinderung. Zum Beispiel bietet das Deutsche Historische Museum neben einer stufenlosen Erreichbarkeit auf Wunsch Gruppenführungen mit Gebärdensprache an. Ebenso sind dort alle Ausstellungen für Rollstuhlfahrer und Menschen mit einer Gehbehinderung zugänglich.
Bei unserem Haus wurden besonders die Induktionsschleife, die es Menschen mit Hörbehinderung ermöglicht Gottesdienste und Konzerte mitzuerleben und die barrierefreie Website hervorgehoben.
Diese gelungenen Beispiele für die Umsetzung der Leitlinien zum Ausbau Berlins als behindertengerechte Stadt sollen öffentlich dokumentiert und mit Hilfe eines augenfälligen Signets im Stadtbild sichtbar gemacht werden.
Sicherlich gibt es auch bei uns noch einiges zu tun, um Menschen mit Behinderung den Besuch angenehmer zu gestalten. So ist zum Beispiel geplant, eine Überdachung für die auf den Pförtner wartenden Rollstuhlfahrer am Aufzug anzubringen. Da diese Maßnahme aber in die Gesamtplanung zur Umgestaltung der Nordfläche einbezogen werden muss, wurde sie bisher zurückgestellt.
An dieser Stelle sei aber auch schon darauf hingewiesen, dass der 18.00-Uhr-Gottesdienst am Silvestertag von einem Gebärdendolmetscher übersetzt wird.
Ausführliche Informationen zu der Aktion „Berlin barrierefrei“ finden Sie unter:
www.berlin.de/barrierefrei

 

 

Neue Nachrichten zur Sanierung der Kuppel und dem Kuppelkreuz

kuppelkreuz_demontage.jpg Die Erneuerung des Kreuzes und der Laternenbekrönung sowie der anderen Arbeiten, die sich als notwendig erwiesen haben, ist auf gutem Weg. Die ersten Aufträge sind erteilt. Über Winter werden das neue Kreuz und die Laternenbekrönung hergestellt. Nach jetziger Planung soll im Mai 2008 das Kreuz wieder aufgesetzt werden. Damit erhält die Stadt mit dem weithin leuchtendes Kreuz des Domes ein Wahrzeichen zurück.

Zur Jahrespressekonferenz im März 2007 hatten wir darauf hingewiesen, dass weitere Untersuchungen am Dach, an den Kugeln der Seitentürme, am Engelkranz und den Figuren und am unteren Teil der Laterne erfolgen sollten. Bei diesen Untersuchungen sind Schwachstellen zutage getreten, die im Zuge der Arbeiten gleich mit beseitigt werden sollen. Das gilt z. B. für die Stangen, an denen die Kugeln auf den Seitentürmen befestigt sind. Sie werden in den nächsten Tagen abgenommen, um sie nicht den Belastungen des Winters auszusetzen. Dach und Figuren sind von Technikern und Statikern sorgfältig untersucht worden. Weitere Gefährdungen erwarten wir daher nicht. (Zu den Arbeiten, die jetzt durchgeführt werden gibt Ihnen Dombaumeister Felmy gleich einen Überblick.)

Die Kosten für die gesamte Maßnahme (darin enthalten sind die Kosten für die Abnahme der Laternenbekrönung und des Kreuzes im Dezember 2006 und die Kosten für eine bauhistorischen Dokumentation, die bereits vorher geplant war) werden mit ca. 1.420 000 € netto beziffert. Die Finanzierung dieser Kosten wird uns durch großzügige Zuwendungen ermöglicht:
Bund und Land Berlin haben 430.000 € aus Mitteln der Städtebauförderung und der Denkmalpflege bewilligt.
Der Staatsminister für Kultur in der Bundesregierung hat 200.000 € bewilligt.
Die Cornelsen-Kulturstiftung unterstreicht die Bedeutung dieser Maßnahme mit einer Zuwendung von 100.000 € und möchte damit weiteres bürgerschaftliches Engagement anregen.
Der Dombauverein gibt 60.000 € zu dieser Maßnahme.
An Spenden sind bisher ca. 50.000 € eingegangen.
Die Oberpfarr- und Domkirche muss nach gegenwärtigem Stand ca. 580.000 € Eigenmittel aufbringen. Davon stehen 300.000 € bereits im Haushalt 2007 bereit und sind z.T. verausgabt. Die weiteren Mittel müssen im Jahr 2008 eingestellt werden. Dazu brauchen wir weitere Unterstützung von den Bürgern dieser Stadt, aber auch von Besuchern und Freunden des Berliner Domes aus ganz Deutschland.

 
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