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60. Jahrestag der UN-Völkermordskonvention - Gedenkstunde im Berliner Dom

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Gedenkstunde anlässlich des
60. JAHRESTAGES der UN-VÖLKERMORDKONVENTION
am Dienstag, 09. Dezember 2008, ab 11:00 Uhr im Berliner Dom
 

Den 60. Jahrestag der Verabschiedung der UN-Konvention zur Verhütung und Bestrafung des Völkermordes möchten wir zum Anlass nehmen, um in einer zentralen Veranstaltung der Genozidopfer der vergangenen sechs Jahrzehnte zu gedenken. Denn obwohl diese Konvention Völkermord hätte verhindern sollen, ist die Kette dieser furchtbaren Verbrechen bis heute nicht abgerissen.
In Afrika, Asien, Europa, Südamerika und im Nahen Osten hat es seit 1948 Genozide gegeben, ohne dass die internationale Gemeinschaft den Opfern rechtzeitig zu Hilfe gekommen ist.

In der Hauptstadt Deutschlands, das wie wohl kein anderes Land weltweit im 20. Jahrhundert vom Trauma des Völkermordes überschattet wurde, wollen wir uns gemeinsam mit der Domgemeinde und allen Interessierten an das Versprechen „Niemals wieder!“ erinnern, das die Staatengemeinschaft sich nach dem 2. Weltkrieg gegeben – und bis heute nicht eingehalten hat. Zeitzeugen aus Biafra, Tschetschenien, Bosnien, Guatemala, Ruanda und Irakisch-Kurdistan werden von ihren schweren Schicksalen berichten. 

Neben Wortbeiträgen des „Simon Wiesenthal Centrum“ Paris, des Auslandsbischofs der Evangelischen Kirche Deutschland Martin Schindehütte, des Gründers und Generalsekretärs der Gesellschaft für bedrohte Völker Tilman Zülch, des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung Günter Nooke, der Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann und des Sprechers der „International Association of Genocide Scholars“ Prof. Gregory H. Stanton möchten wir durch Prof.  Dr. Claudia Kraft (Geschichtswissenschaftlerin) den Initiator der UN-Völkermordkonvention Raphael Lemkin würdigen.

Berliner Jugendliche werden dazu Passagen der Völkermordkonvention verlesen.

Außerdem werden wir im Rahmen der Gedenkstunde die im Sudan behandelnde Ärztin und Buchautorin Dr. Halima Bashir und den Träger des Alternativen Friedensnobelpreises Jovan Divijak mit dem Victor-Gollancz-Preis der GfbV ehren.

Begleitet wird die Veranstaltung durch jüdische Musik von Klezmer Chidesch sowie durch kurdische Musik von Sivan Perwer und Khaled Rashid.

EINTRITT: Frei

Für Fragen wenden Sie sich gern an das GfbV-Aktionsreferat
Torsten Flader, Tel. 0551 499 06-22 oder Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können

 

 

Am 19.8.2008 erhält der Berliner Dom sein Kuppelkreuz zurück

neues_kuppelkreuz2.jpgIn einigen Tagen ist es soweit: am Dienstag, dem 19.8.2008, wird das goldene Kuppelkreuz samt Laternenbekrönung wieder auf die Kuppel des Berliner Doms gehoben. In der vergangenen Woche wurden die letzten Bauteile an der Laternenbekrönung montiert. Alle wichtigen Schweißverbindungen wurden untersucht, das Kreuz mit einem Kran angehoben, um Formstabilität und Gewicht (ca. 12 t) zu prüfen – alles ist in Ordnung. Nun fehlen nur noch wenige Verkleidungsbleche und etwas Blattgold. An der eingerüsteten Laterne über der Kuppel wurde das Plexiglasdach entfernt und die Träger für das Kreuz entrostet und instandgesetzt. Auch hier fehlen nur noch wenige Ausbesserungsarbeiten. Auf dem Bauhof wartet bereits die Konstruktion für ein neues Glasdach, welches unmittelbar vor der Montage des Kreuzes mit dem Autokran aufgesetzt werden soll.

 

Das Kuppelkreuz musste am 6. Dezember 2006 von der Kuppel gehoben werden. Unter dem vergoldeten Kupferblech war es so von Rost zerfressen, dass es nicht mehr restauriert werden konnte. Seit dem Frühjahr wird daher auf dem Bauhof an der Nordseite des Berliner Doms ein neues Kreuz errichtet. Äußerlich entspricht es dem alten, unter der Oberfläche wurden jedoch wesentliche Änderungen vorgenommen, um eine dauerhafte Konstruktion zu schaffen. So besteht die tragende Konstruktion aus besonders hochwertigem Edelstahl. Die Blechverkleidung wurde in bewährter Dachdeckertechnik aufgebracht, um das Eindringen von Wasser zu verhindern.

 

neues_kuppelkreuz.jpgMit der Montage des Kuppelkreuzes erhält Berlin eines seiner unverwechselbaren Wahrzeichen zurück.
Mit seiner neuen Vergoldung wird es weithin sichtbar die historische Mitte Berlins kennzeichnen, die in den kommenden Jahren zu neuem Leben erweckt werden soll.
Die Stadtsilhouette wird somit um eines ihrer markantesten Kennzeichen ergänzt. Für die Christinnen und Christen in unserer Hauptstadt ist das wieder aufgerichtete Kreuz auch ein Zeichen dafür, dass ihr Glaube an den gekreuzigten und wieder auferstandenen Christus in dieser Stadt sichtbare und lebendige Orte hat. Orte, die aus der Vergangenheit kommen aber weit hinaus weisen in die Zukunft. Unter dem Kreuz wird für diese Stadt gebetet und gearbeitet. Unter diesem Kreuz setzen sich Menschen dafür ein, dass Barmherzigkeit, Mitgefühl und Toleranz Wohnrecht haben in der Mitte der Stadt. Das goldene Kreuz auf der Domkuppel Berlins ist ein Versprechen für die Stadt!


Terminplan:

Montag, 18.8.2008
7:00 Uhr  Anfahrt 500 t-Autokran
bis 16:00 Uhr  Aufbau des Autokranes mit einem 50 t-Rüstkran sowie
Endmontage der Glashaube auf dem Bauhof durch die Metallbaufirma
Restarbeiten an der Laternenbekrönung mit dem Hubsteiger
ab 16:00 Uhr  Abheben der alten Plexiglashaube von der Laterne
Anheben der neuen Glashaube auf die Laternenbekrönung
anschließend Montage der Glashaube
dto. Umsetzen der neuen Laternenbekrönung zum Hubstandort
Anbringen der Montageöse am Kreuz

 

Dienstag, 19.8.2008
ab 7:00 Uhr  Andacht vor dem Kreuz (Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann)
Vorbereitung des Autokranes
Anheben der Laternenbekrönung und Aufsetzen auf der Laterne
Schweißarbeiten zum Fixieren der Laternenbekrönung auf der Unterkonstruktion
Aushängen des Kranhakens und Abnehmen der Montageöse durch Kletterer
Endgültiges Festschweißen der Laternenbekrönung auf dem Dach.

 

Bitte beachten!
Die Montagearbeiten mit dem Autokran bedürfen besonderer Sicherheitsvorkehrungen. Geringe Windgeschwindigkeiten auf dem Gelände können in fast 100 m Höhe zu problematischen Böen führen, bei denen die Monteure gefährdet würden. Die Arbeiten müssten dann unterbrochen werden. Alle Zeitangaben sind daher unter dem Vorbehalt zu sehen, dass geeignete Witterungsverhältnisse herrschen.

 

Finanzierung
Die Instandsetzungsmaßnahmen an Kuppel und Dach werden ermöglicht durch Zuwendungen folgender Einrichtungen:
Städtebaulicher Denkmalschutz (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Landesamt für Denkmalpflege)
Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
Cornelsen Kulturstiftung Berlin

Der verwendete Edelstahl wurde gespendet von Thyssen Krupp Nirosta.


Zahlen und Fakten:
Höhe der Gesamtkonstruktion    14,92 m
maximaler Durchmesser    5,6 m
Blattgold Gesamtgewicht    ca. 1,5 kg
Kupferblech Gesamtgewicht   2400 kg
Gewicht der Gesamtkonstruktion   12 t
Kosten der Gesamtmaßnahme   1,42 Millionen €
Kosten Kreuz     700.000 €

 

Wiedermontage der Königskronen

Erneut wird am Berliner Dom ein Teilabschnitt der laufenden Instandsetzungsarbeiten an Kuppel und Dach abgeschlossen: am kommenden Donnerstag, 26. Juni 2008, werden die beiden im vergangenen Herbst demontierten Königskronen wieder auf ihren Sockel über dem Hauptportal gesetzt.

Bei den Königskronen handelt es sich um Hohlformen aus getriebenem Kupferblech, die von einer Innenkonstruktion getragen werden (Höhe 1,85 m, Durchmesser ca. 1,60 m, Gewicht ca. 180 kg). Im Sommer 2006 wurde eine der zwischen den Kronenbügeln angebrachten Applikationen – es handelt sich um Darstellungen der an der preußischen Königskrone eingelassenen Birnperlen – auf dem Dach vorgefunden. Kletterer untersuchten daraufhin die Kronen, stellten starke Korrosionsschäden an der Innenkonstruktion fest und bargen sicherheits¬halber sämtliche Birnperlen. Im Oktober 2007 wurden die Kronen zusammen mit den Turmkugeln demontiert. Im Winter wurden die Kronen in der Werkstatt der Fa. Helmich aus Berlin-Adlershof in ihre Einzelteile zerlegt und der eingefüllte Zement entfernt. Die verrosteten Eisenprofile wurden durch eine Konstruktion aus Edelstahl ersetzt. Anschließend wurden die Königskronen wieder zusammengesetzt. Dabei wurden auch mangelhafte Ausbesserungen aus der Wiederaufbauzeit entfernt und in traditionell handwerklicher Weise geschlossen.

Die beiden Kronen sind Bestandteil eines am Dom verwirklichten Bildprogramms, welches den Wunsch nach Einigung des in Konfessionen und Landeskirchen aufgespalteten Protestantismus unter dem Primat des preußischen Königs ausdrückt. Aus diesem Grund ließ Wilhelm II. auch – anders als etwa beim Reichstag – keine Kaiserkronen verwenden. Denn als preußischer König hatte er zugleich die Stellung eines Kirchenoberhauptes inne.

 

Befüllung der neuen Domkugel mit Zeitzeugnissen

befuellung_der_kapsel.jpgZeitzeugnisse wurden in die goldene Kugel unter dem Domkreuz eingelegt!

 

Die Kugel, die unter dem neuen Kreuz sitzen soll und derzeit vergoldet wird, wurde

am 21. Mai um 12.30 Uhr von Bischof Dr. Wolfgang Huber und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit mit Zeitzeugnissen befüllt und danach verschlossen. Als Vertreter des Berliner Domes waren unter anderem Dombaumeister Stefan Felmy, Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein, Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann und die Vorsitzende des Domkirchenkollegiums Dr. Irmgard Schwaetzer vor Ort. Aber auch neugierige Berliner und schaulustige Touristen weilten unter den Zuschauern, sogar eine Schulklasse unterbrach ihren Wandertag, um dieses Ereignis mitzuerleben. Wir haben uns aber besonders gefreut, dass auch Mitglieder aus unseren Nachbargemeinden kamen und damit ihre Anteilnahme und Verbundenheit zeigten.

 

In unserem Download-Archiv können Sie das Grußwort von Bischof Dr. Wolfgang Huber zu diesem Anlass herunterladen. 

 

In die Kugel wurden eingelegt:
- das Duplikat der Urkunde vom 22. Mai 1608 aus dem Domarchiv in der Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg der Domkirche die Bezeichnung »Oberste Pfarrkirche « verleiht.
- Die Einladung zum Festwochenende 400 Jahre Oberpfarr- und Domkirche, sowie die Gottesdienst- und Konzertprogramme vom 17. und 18. Mai
- Das Jahresprogrammheft des Berliner Dom
- Eine Urkunde „Das Domkirchenkollegium dankt der Cornelsen-Kulturstiftung Berlin für die finanzielle Hilfe bei der Erneuerung des Kreuzes“ und eine Urkunde „Das Domkirchenkollegium dankt Bischof Dr. Wolfgang Huber und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit für die Unterstützung der Arbeiten an Kuppel und Kreuz“
- CD-Einspielung „Musica Mystica – Gregorianik im Dialog“ Orgelwerke von Charles Tournemire im Wechsel mit Gregorianischen Gesängen (pünktlich zum Jubiläum erschienen und im Domshop erhältlich)
- Aktuelle Ausgabe der Kirchenzeitung
- Perspektivprogramm der EKBO „Salz der Erde“
- Predigt von Bischof Dr. Wolfgang Huber am Ostersonntag 2008 im Berliner Dom
- Tagesspiegel vom Sonntag
- Berlin-Programm Mai 2008
- Rede des Regierenden Bürgermeister zur Kampagne „be berlin!“
- Münzen

 

Berliner Chancen - Predigtreihe mit dem neuen Generalsuperintendenten Ralf Meister

meister.gifVom 8. Juni bis 20. Juli wird Ralf Meister, der neue Generalsuperintendent Berlins, in den fünf Citykirchen der Stadt Predigten halten.

Ralf Meister ist Vorsitzender der Arbeitsgruppe, die die EKD-Schrift „Kirche in der Stadt“ erarbeitet hat und einer der führenden Theologen deutschlandweit, was die Citykirchenarbeit angeht. Hier die Themen und Termine der Predigtreihe im Einzelnen:

 

Freiheit und Rebellion
8. Juni 2008, 10 Uhr, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Die Künste und die Religion
22. Juni 2008, 18 Uhr, St. Matthäus – Kirche im Kulturforum

Die Nation und ihre Symbole
29. Juni 2008, 10 Uhr, Berliner Dom

Ursprung und Mitte
13. Juli 2008, 10.30 Uhr, St. Marienkirche, Alexanderplatz

Toleranz und Widerstand
20. Juli 2008, 10 Uhr Französischer Dom, Gendarmenmarkt

 

In unserem Download-Archiv stehen Plakat und Handzettel im PDF-Format bereit. 

 

 

Lieferung des neuen Domkreuzes

kreuz-wird-zusammenmontiert.jpgAm 13. Mai wird im Laufe des Nachmittags das neue Kreuz für den Berliner Dom geliefert!


Die Herstellung der Laternensegel und des Kuppelkreuzes wurde im März begonnen.
In der Werkstatt der Firma Breidenbach aus Peiting in Oberbayern haben die Stahlsegel und das Kreuz erste Gestalt angenommen und werden nun in einer eigens an der Nordseite des Berliner Doms errichteten Gerüsthalle weiterverarbeitet.
Das Kreuz wird hier mit Kupfer verkleidet, lackiert und vergoldet und schließlich mit der Kugel an einem großen Stahlrohr, dem Kaiserstiel, verbunden.


Die Kugel, die unter dem Kreuz sitzt und derzeit vergoldet wird, soll am
21. Mai um 12.30 Uhr von Bischof Dr. Wolfgang Huber und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit

mit Zeitzeugnissen befüllt und danach verschlossen werden.


Die Herstellung des Kreuzes wurde ermöglicht durch Zuwendungen der Cornelsen Kulturstiftung Berlin.

 

400 Jahre Oberpfarr- und Domkirche zu Berlin

1608_Kirchenordnung.jpg Die erste urkundliche Erwähnung der Oberpfarr- und Domkirche liegt 400 Jahre zurück.
In einer Urkunde vom 22. Mai 1608, die im Domarchiv als Abschrift aus dem 17. Jahrhundert vorliegt, wird bezeugt, dass Kurfürst Joachim Friedrich von Brandenburg der Domkirche die Bezeichnung „Oberste Pfarrkirche“ verleiht: „…so haben wir nicht unterlassen wollen, vorgemeldete Domkirche zur obersten Pfarrkirchen allhier in unser Stadt Cölln an der Spree gnädigst zu verordnen, auch mit unsern lieben getreuen Bürgermeistern und Ratmännern, auch ganzen gemeiner Bürgerschaft uns gnädigst dahin verglichen, dass sie uns zu untertänigsten Gehorsam gewilliget und eingangen, mehr gedachte Domkirche für die oberste Pfarrkirche allhier zu Cölln zu halten…“

Gleichzeitig mit der Einweihung der umgebauten Domkirche am Trinitatis-Sonntag 1608 sollte die Domkirche „in guten Stand“ erhalten werden, was sich in diesem Fall aber nicht auf die Gebäudeerhaltung, sondern auf die hochwertige Gestaltung der Gottesdienste und Predigten bezog. Zur Unterstützung dieses Anliegens hat der Landesherr sich mit den Bürgermeistern, Ratsherren, der Gemeinde und Bürgerschaft dahin geeinigt, den Dom zur obersten Pfarrkirche zu bestimmen.

Diesem Dokument liegt auch eine Kirchenordnung bei, die sehr genau festlegt, wann und in welcher Form die Gottesdienste in der Domkirche zu feiern sind. Das Dokument wurde von Kurfürst Joachim Friedrich mit „unserm Daumensekret wissentlich besiegelt und eigenen Händen unterschrieben“.

Das Domkirchenkollegium des Berliner Dom möchte alle Berlinerinnen und Berliner, alle Freunde des Berliner Domes aus Nah und Fern einladen, dieses Jubiläum mit uns zu feiern.


Samstag, 17. Mai

 

11.00 Uhr Eröffnung einer kleinen Sonderausstellung zum Jubiläum
Urkunden und Abendmahlsgerät aus dem 17. Jahrhundert

und

 Erstmaliger Verkauf der Collagen aus der Kunstaktion der Berliner Stadtreinigung zur „intelligenten Entsorgung“ der alten Kuppellaterne zugunsten des Berliner Domes

 

18.00 Uhr Ökumenische Vesper
Bischof Theodor Clemens, Vorsitzender des Ökumenischen Rates
Generalsuperintendent Ralf Meister
Domprediger Friedrich-Wilhelm Hünerbein
Domorganist Andreas Sieling
Schola der Berliner Domkantorei, Leitung: Domkantor Tobias Brommann

 

Anschließend Grußworte von: Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer und Bischof Theodor Clemens, Vorsitzender des Ökumenischen Rates Berlin-Brandenburg

 

Danach Empfang in allen Türmen des Berliner Domes.

 

21.00 Uhr Festliches Konzert zum Jubiläum
Werke aus vier Jahrhunderten für Bläser und Orgel
Von Gabrieli, Bach, Mendelssohn-Bartholdy, Bruckner u.a.
Orgel: Domkantor Tobias Brommann
Berliner Dombläser, Leitung: Domorganist Andreas Sieling

 

Sonntag, 18. Mai

 

10.00 Uhr Festgottesdienst mit Abendmahl
Präses i.R. Manfred Kock
Dompredigerin Dr. Petra Zimmermann
Orgel: Domkantor Tobias Brommann
Staats- und Domchor Berlin, Leitung: Prof. Kai-Uwe Jirka
Trompete: Lars Ranch

 

18.00 Uhr Festgottesdienst
Prof. Dr. Drs. h. c. Eberhard Jüngel D. D., Ehrendomprediger
Orgel: Domorganist Andreas Sieling
SaxophonQuadrat

 

Frohe Botschaften aus dem Berliner Dom

segelfertigung1.jpg Es wird viele Menschen freuen – so lange schon hat man auf den Beginn der Arbeiten zur neuen Laternenbekrönung gewartet. Nun, nachdem wir Monate hinter den Kulissen gearbeitet haben, gibt es endlich auch etwas zu sehen.

Die Herstellung der Laternensegel und des Kuppelkreuzes hat begonnen. Die Bleche aus besonders hochwertigem Edelstahl wurden zugeschnitten. In der Werkstatt der Firma Breidenbach aus Peiting in Oberbayern nehmen nun die ersten Stahlsegel Gestalt an. Doch auch in Berlin gibt es in den kommenden Tagen etwas zu sehen. Auf dem Bauhof an der Nordseite des Doms wird bereits eine Gerüsthalle errichtet. Um den 21. April werden hier die ersten Bauteile erwartet und in der Halle weiter verarbeitet. Weitere Lieferungen sollen in der 19. Kalenderwoche und gegen Ende Mai erfolgen. Weil die fertigen Segel zu sperrig sind, werden sie in handlichen Stücken bearbeitet: sie werden mit Kupfer verkleidet und vergoldet, anschließend zusammengefügt und schließlich mit Kreuz und Kugel an einem großen Stahlrohr, dem Kaiserstiel, verbunden.
Die Aufsetzung der Laternenbekrönung mit dem Kreuz wird in den Sommermonaten vollzogen werden, einen konkreteren Termin gibt die Domverwaltung voraussichtlich Anfang Juni bekannt.

 

Beteilige Firmen:
Metallbau: Breidenbach Metallbau GmbH
Kupferverkleidung: Michaelis Dachdeckerei u. Klettertechnik GmbH
Vergoldung: Reinhard Wolff Kunsthandlung GmbH
Planung: NITEC Gesellschaft für Bauleitung und Projektsteuerung mbH
Tragwerksplanung: Ingenieurbüro Rüdiger Jockwer GmbH

 

Intruduzione! Einweihungskonzert der neapolitanischen Orgel in der Tauf- und Traukirche

ital._orgel.jpgMontag, 07. April 2008 - 20:00 Uhr

 

Capella Cantorum
Irina Kisselova, Barockvioline
Klaus Eichhorn, Orgel

 

Eintritt frei - Anmeldung erforderlich unter Tel.: 030-202 69 136

 

Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten im Museum Nikolaikirche wurde die italienische Orgel, die seit dem Jahr 2000 dort untergebracht war, im Dezember 2007 umgesetzt und ist nun als Dauerleihgabe im Berliner Dom zu sehen und zu hören.
Eine bewegte Geschichte hat dieses Instrument inzwischen hinter sich – eine Italienerin auf Reisen!
Ein Erbauer kann nicht festgestellt werden, ebenso ist eine exakte Datierung nicht möglich. Anhand von ähnlich gestalteten Vergleichsobjekten ist jedoch abzuleiten, dass die Entstehungszeit im 17. Jahrhundert liegen muss und die äußeren Merkmale der Orgel lassen vermuten, dass sie im neapolitanischen Umfeld entstanden ist.
Das Instrument wurde 1979 von Klaus Eichhorn, Professor für Orgel und Generalbass an der Hochschule für Künste Bremen in völlig zerstörtem, unbespielbaren Zustand erworben. Im Jahr 1980 restaurierten Jürgen Ahrend (Leer/Ostfriesland) und Bernhard Junghänel (Gütersloh) das Instrument, so dass sie von 1980 bis 1993 in der St. Matthäi-Kirche als Gast logieren konnte, dann für knapp zwei Jahre in die St. Nikolai-Kirche Spandau umzog, im Januar 1995 in die Dorfkirche Petzow bei Werder überführt wurde, bis sie dann am 23. Oktober 2000 in das Museum Nikolaikirche kam.

 

Disposition:

1 Manual
Umfang 45 Tasten C – c’’’ (kurze Oktave)
Principale  (8’)
Ottava  (4’)
Quintadecima (2’)
Decimanona  (1 1/3’, repet. ab fs’’ 2 2/3’)
Vigesimaseconda (1’, repet. ab cs’’ 2’)

Stimmung: mitteltönig


Nun hat sie ihren Platz auf der Orgelempore der Tauf- und Traukirche im Berliner Dom gefunden und wird am 7. April das erste Mal in einem Konzert zu hören sein.
Somit verfügt der Berliner Dom nun über drei Orgeln: die berühmte spätromantische Große Sauerorgel in der Predigtkirche, die von Fritz Heitmann konzipierte Schukeorgel sowie die mitteltönig gestimmte italienische Orgel in der Tauf- und Traukirche.

 

"Schlüsselerlebnisse" Beitrag im Tagesspiegel über den Berliner Dom

In seiner Reihe "Schlüsselerlebnisse" stellt der Tagesspiegel herausragende Gebäude Berlins vor, so auch den Berliner Dom. Der Beitrag ist vom 27.01.2008. <<Download hier!>>
 

Berliner Dom: Die Herstellung des Kreuzes beginnt!

engel.jpg Am 6. Dezember 2006 musste das vergoldete Kuppelkreuz aufgrund starker Korrosionsschäden von der Kuppel des Berliner Domes abgenommen werden. Seitdem ragt nur noch ein trauriger Laternenstumpf in den Himmel.
Ein Jahr danach gibt es – passend zum Nikolaustag – wieder gute Nachrichten. Die Stahlbauarbeiten für die neue Konstruktion wurden ausgeschrieben. Nun kann endlich mit der Wiederherstellung des Kreuzes begonnen werden. Dazu trägt insbesondere folgende Neuigkeit bei: Die Cornelsen Kulturstiftung Berlin erhöht ihre Zuwendung auf 480.000 Euro. Sie tritt damit an die Seite der Förderer aus Bund und Land, leistet sogar den größten Beitrag zur Finanzierung der benötigten 1,4 Mio. Euro Baukosten. Das reicht aus, um die Neukonstruktion des Kuppelkreuzes zu bezahlen.
Die Stiftung der Verlegerin Ruth Cornelsen, die sich in Berlin und Brandenburg für die Erhaltung kulturhistorisch wertvoller Bauwerke einsetzt, unterstreicht mit ihrer tatkräftigen Unterstützung die besondere Denkmalbedeutung der Maßnahme. Seit dem Wiederaufbau des kriegszerstörten Domes war das Kuppelkreuz wichtiger Orientierungspunkt in der Stadtsilhouette; zugleich war es ein Hoffnungszeichen innerhalb des atheistischen SED-Regimes und Symbol für die Zusammenarbeit zwischen Ost und West.
Nach der überraschenden Initiative der Cornelsen Kulturstiftung besteht für die Domgemeinde nun die Hoffnung, auch die Eigenmittel für die Restaurierung der übrigen Bauteile zusammen zu bekommen: für die musizierenden Engel über dem Kuppelumgang, für die vergoldeten Turmkugeln oder für die beiden großen Kupferkronen. Bisher sind Spenden in Höhe von ca. 70.000,- Euro eingegangen. Für die Domgemeinde verbleiben noch ca. 200.000,- Euro. Auch weiterhin ist jeder kleine Beitrag zur Erhaltung des Domes willkommen.

 

Zeigen Sie weiterhin Kreuz!

Stichwort „Kreuz zeigen!“
KD-Bank e.G.
BLZ 350 601 90
Ktn. 20072008

 

Ansprechpartner: Antje Zimmermann, Tel.: 030/ 202 69 102, Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können

 

 

Erfolgreiche Aufführung der Berliner Domkantorei - "The Armed Man" A Mass For Peace von Karl Jenkins

Am Samstag, dem 3. November 2007, wurde das zur Jahrtausendwende komponierte Werk des britischen Komponisten Karl Jenkins im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt uraufgeführt. Die einleitende Ansprache hielt Prof. Dr. Christoph Markschies, Gemeindeglied der Oberpfarr- und Domkirche. Den Wortlaut seiner Ansprache können Sie hier nachlesen:

„Den Opfern des Kosovo gewidmet“, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist die Friedensmesse „The armed man“ des englischen Komponisten Karl Jenkins gewidmet, die nach Mendelssohns Kantate „Verleih uns Frieden gnädiglich“ und einem der „Chichester-Psalms“ von Leonard Bernstein heute abend im Konzerthaus erklingen wird. Die drei sehr unterschiedlichen Stücke aus drei sehr unterschiedlichen Jahrhunderten verbindet zumindest eines – die leidenschaftliche Bitte um den Frieden in dieser Welt.

Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb seine kleine Kantate während des Karnevals in Rom 1831; vertont ist ein Choraltext Martin Luthers: „Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unseren Zeiten, es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott alleine“. Luther hat mit diesen Worten ganz schlicht und praktisch Wort für Wort eine spätantike Antiphon, also einen Einleitungsvers, übersetzt, die wir noch heute als Kanon singen: Da pacem domine in diebus nostris. Zu der Zeit, als Luther die lateinische Antiphon vertonte (1528/1529), waren, zurückhaltend formuliert, wenig friedliche Zeiten, braute sich, um direkter zu reden, eine hochgefährliche politische Lage zusammen: Der katholische Kaiser Karl hatte seinen französischen Feind Franz niedergerungen und wendete sich nun seinem deutschen Reich zu. Auf dem Reichstag von Speyer im Februar 1529 hatte er durchgesetzt, daß alle Stände, die sich zur neuen evangelischen Lehre mit der Reichsacht bedroht waren, also für vogelfrei erklärt worden waren. Und seit Herbst 1528 rüsteten die Türken und begannen im Frühjahr des folgenden Jahres, bis vor Wien zu marschieren. Schlimmster Krieg drohte: Bürgerkrieg im Reich und die Eroberung weiterer Gebiete durch die Türken. Ein evangelischer Christenmensch mußte zu dieser Zeit befürchten, entweder von den kaiserlichen Truppen hingemordet zu werden oder von den Soldaten des Sultans ins die Sklaverei verkauft zu werden. Von all’ diesen fürchterlichen politischen Kontexten ist in Luthers Lied, das Mendelssohn vertont, nichts zu spüren: Gegen die Unruhe der Verhältnisse wird die feste Zuversicht des neuen Glaubens gesetzt: „Es ist ja doch kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott alleine“ dichtet Luther und hat das „alleine“ zum lateinischen Text hinzugefügt, ein kleines Wörtlein, das eine Wörtlein, das die Angst und den Teufel, der nach Luther Angst macht, fällen kann, das Wort allein. Mendelssohns Choralkantate beginnt ganz zart, mit tiefen und leisen Tönen, als ob wir für Frieden nur aus der Tiefe unseres eigenen Unfriedens, aus der Tiefe unseres Zweifels rufen könnten, ganz zart, ganz sacht und uns erst durch mehrfache Wiederholung des alten Gebetes unserer Zuversicht versichern könnten – die Choralzeile wird zunächst nur vom Baß gesungen, erst bei der dritten Wiederholung der Choralzeile unterstützt das volle Orchester einen vierstimmigen Satz.

Leonard Bernsteins Chichester-Psalms schließen ebenfalls mit einem sehr alten Friedensgebet, den in hebräischer Sprache vorgetragenen Anfangsversen des einhundertdreiunddreißigsten Psalms: „Hineh mah tov, umah naim, Shevet ahim, Gam yahad“: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen“, wie Luther übersetzte. 1965, als Bernstein diese Musik für das Sommerfestival im englischen Chichester schrieb, tobte der zweite Kaschmirkrieg zwischen Indien und Pakistan, der Vietkong und Südvietnam lieferten sich die erste große Schlacht, bei politischen Auseinandersetzungen in Indonesien kamen zwischen hunderttausend und fünfhunderttausend Menschen ums Leben. Hineh mah tov, umah naim, Shevet ahim, Gam yahad. Der Beter aus grauer Vorzeit hält Gott einen Weisheitsspruch vor, der nicht nur im alten Israel, sondern auch in Ägypten und im Orient verbreitet war: Eintracht unter Brüdern ist fein und lieblich. Und er bittet, daß Gott solche Eintracht schenken möchte auf den Bergen Zions, in Israel, „denn“, so heißt es am Schluß des einhundertdreiunddreißigsten Psalms: „dort verheißt der Herr den Segen und Leben bis in Ewigkeit“. Gottgeschenkte Eintracht zwischen Brüdern – man kann sich gut vorstellen, daß Leonard Bernstein, der aus einer russischen jüdischen Familie stammte, also die Verfolgungsgeschichte der Juden in Rußland von seinen Eltern und Großeltern erzählt bekommen hatte, von den sich verschärfenden Konflikten zwischen Juden und Palästinensern im Heiligen in der Zeitung las und wegen seiner Lebenseinstellung manche Anfeindungen zu erdulden hatte, sehr konkrete Vorstellungen von Eintracht unter Brüdern hatte – weil er viel Zwietracht erlebt haben muß. Aber wirkliche Spuren dieses Unfriedens finden sich in seiner hebräischen Bitte um Frieden nicht.

Ganz anders in der Friedensmesse von Karl Jenkins. Schon zu Beginn ertönt Marschmusik, wird die Trommel zum Krieg geschlagen, marschieren die bewaffneten Männer mitten in eine traditionelle Messe mit Kyrie, Sanctus und Benedictus herein. Immer wieder Motive militärischer Marschmusik, beispielsweise mitten im Sanctus, dem „Dreimal Heilig“ des klassischen Meßgottesdienstes. Während in der alten Welt galt, daß der Krieger seine Waffen an der Kirchentür abgeben mußte, marschieren die Soldaten im zwanzigsten Jahrhundert in die Kirchen hinein, zünden in den Synagogen die Menschen bei lebendigem Leibe an und sprengen die Moscheen in die Luft. Und noch viel konkreter wird die furchtbare Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts in dieser Friedensmesse, die zur Feier des Jahrtausendwechsels komponiert wurde: Als zweites Stück ertönt genau jener Muezzinruf, der in der arabischen Welt Tag für Tag von den Minaretten zu hören ist: Allahu akbar, „Gott ist groß“, la lllaha il la-lah, „es gibt keinen Gott außer Gott“. Wir alle erinnern uns daran, daß im Kosovo-Krieg des Jahres 1999 und seiner blutigen Vorgeschichte nicht nur Albaner und Serben miteinander rungen, sondern auch sunnitische Muslime auf die serbisch Orthodoxe trafen. Wie man auch immer Gründe und Verlauf der schrecklichen Auseinandersetzungen im postkommunistischen Jugoslawien beschreibt: daß Religion, daß die Religionen ihren besonderen Anteil am Morden und Schlachten hatten, wird niemand bestreiten können. Das Zusammentreffen dieser beiden Religionen findet bei Jenkins nicht mehr vor der Kirchentür, auf den Schlachtfeldern des Amselfeldes und im publizistischen Kampf der Medien statt, sondern ist in die Kirche selbst hineingewandert, in die Messe, in den Gottesdienst: Das „Allahu akbar“ der Muslime und das „Kyrie eleison“ der orthodoxen Christen folgen unmittelbar aufeinander – beten Christen und Muslime zum selben Gott? Die, die im ehemaligen Jugoslawien gegeneinander kämpften, waren sich sicher, nicht zum selben Gott zu beten. Wir hier in Mitteleuropa diskutieren über die nämliche Frage, streiten auch, aber schlagen uns glücklicherweise nicht den Kopf ein. Die letztgültige, die schlußendliche Antwort auf die Frage, ob Christen und Muslime zu ein und demselben Gott beten, bleibt ohnehin Gott selbst überlassen.

Wir werden mit der Friedensmesse von Karl Jenkins ein sehr englisches Stück hören. Ein Teil des Kyrie lehnt sich stark an Giovanni Pierluigi da Palaestrina an, den großen Reformator der katholischen Kirchenmusik, aber wir hören auch Militärmärsche, einen Zapfenstreich und allerlei Jazz-Elemente, großen Chor und volles Orchester – so wird auch in den englischen Kirchen musiziert, in denen es eine lebendige Tradition von moderner Musik für liturgische Zwecke gibt, die Abend für Abend in den evensongs und Sonntag für Sonntag in den Meßvertonungen zur Aufführung gebracht wird. In den Kirchen des vereinigten Königreiches sind die „bewaffneten Männer“, um die es im ersten Stück der Friedensmesse geht, viel präsenter als in deutschen Kirchen – während bei uns höchstens verschämt am Ausgang eine Tafel hängt, die die Namen der Gefallenen aufzählt, sind in den einschlägigen Kapellen der Kirchen jenseits des Kanals Fahnen drapiert, militärische Symbole auf die Altartücher gestickt. „How blest is he who for his country dies“, „Gesegnet ist, wer für sein Land stirbt oder im lateinischen Original des Horaz: Dulce et decorum est pro patria mori. Gesungen wird diese Zeile, die uns in Deutschland seit 1945 schauern macht, von Frauenstimmen, die schrille Melodieführung begleiten grelle Piccolo-Flöten.

Wir könnten uns kaum vorstellen, daß der Direktor des militärhistorischen Museums der Bundeswehr die Texte einer Messe zusammenstellen würde so wie der Master of the Armories aus verschiedensten Traditionen die Vorlagen der Friedensmesse zusammensuchte – Verse der englischen Barockdichter John Dryden und Jonathan Swift, des in Indien geborenen Kolonialdichters Kipling, Zeilen aus dem bekanntesten indischen Volksepos, dem Mahabharata, und natürlich einige, aber nicht alle Texte aus dem traditionellen Kanon der Messe, Kyrie, aber kein Gloria, Sanctus, aber kein Credo, Agnus Dei und Benedictus, letztere aber in der Reihenfolge vertauscht; ein bunter Mix aus diversen Jahrhunderten, Kulturen, Traditionen samt einem Gedicht, das Guy Wilson, der „Master of the Armories“ selbst geschrieben hat: „Now the guns have stopped“, ein Klagelied eines Überlebenden um seinen toten Freund. Aber auch viel musikalisch nachgestaltete Dramatik des Krieges: „Convey Horror“, „Entsetzen ausdrücken und vermitteln“ heißt es in der Partitur zum Stück „Charge!“, „Angriff!“, bevor nach dem Höllenlärm des Krieges Stille ausbricht, die furchtbare Stille nach der Schlacht und vor dem Zapfenstreich einer einsamen Trompete.

Die modernen Kriege sind längst global geworden – der Krieg im Nahen Osten erschüttert die Olympischen Spiele in München, er tötet Menschen in den Hochhäusern von New York. Wenn irgendwo Unfrieden ist, kann der Rest der Welt nicht in Frieden leben und wird im Inneren des Gotteshauses nicht eitel Frieden sein können. Diese Globalisierung des Krieges ist dem Stück von Jenkins abzuspüren, der Mischung der verschiedensten Traditionen und Kulturen im Stil von Musik und den verwendeten Texten. Die vielleicht auffälligste Präsenz einer hierzulande fremden Tradition ist der Muezzinruf „Allah hu akbar“, das muslimische Glaubensbekenntnis, durch dessen Aussprechen man zugleich auch zum Islam konvertiert. Ein Muezzin ist Gast in der Messe und singt zu Beginn des Stücks dieses sein Glaubensbekenntnis. Das Zeichen braucht nicht lange interpretiert werden: Christen und Muslime verbinden sich in der Friedensmesse von Karl Jenkins zum Gebet um Frieden, und mit den Worten des hebräischen Psalms in Bernsteins Vertonung wird deutlich, daß auch die Juden in dieses Gebet um Frieden einstimmen. In ähnlicher Weise hat auch der Papst im Jahr 2002 zu einem großen Friedensgebet aller Religionen nach Assisi eingeladen und gleichwohl schon bei der Einladung betont, daß es bei jenem Treffen nicht zu einer Vermischung der Religionen kommen werde: „Jede religiöse Gruppe wird je nach Glauben, Tradition und im vollen Respekt vor den anderen an einem anderen Ort beten“. Wie man auch immer zum Verhältnis der Religionen denkt, wie man auch immer zu der nicht unproblematischen Figur dreier abrahamitischer Weltreligionen steht: Daß alle Religionen um Frieden beten, beten müssen, daran kann kein Zweifel sein. Schon allein deswegen, damit „sie … hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ und „kein Volk wider das andere das Schwert erheben“ wird, wie es die Friedensvision des Propheten Jesaja verheißt. Und – wie der Papst vor dem Treffen in Assisi sagte – um alle jene zu isolieren, „die den Namen Gottes für Zwecke und mit Methoden mißbrauchen, die ihn in Wahrheit verletzen“ – im schrecklichen zwanzigsten Jahrhundert haben, wie wir alle wissen, gerade auch Christenmenschen in Deutschland den Namen ihres Gottes unnützlich geführt und so mißbraucht. Die Friedensmesse von Karl Jenkins stammt aus einem Land, in dem schon wesentlich größere muslimische Gemeinden als bei uns hierzulande das Gesicht von Städten wie Birmingham oder London deutlich sichtbar prägen; sie konfrontiert uns mit der Frage, in welcher Form sich hierzulande die Religionen gemeinsam für den Frieden einsetzen können und doch dabei an der Gewißheit festhalten, daß „ja doch kein andrer nicht“ ist, der für uns streiten könnte, „denn du, unser Gott alleine“.

 

 
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